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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Ausgelöst wurde die internationale Gulag-Debatte nach dem Ende des Zwei- ten Weltkriegs durch die Publikation einer Reihe von Dokumentationen und Augenzeugenberichten über die Stalin’schen Lager. Dass sie gerade zu diesem Zeitpunkt zum Thema wurden, ist kein Zufall, sondern hängt mit dem begin- nenden Kalten Krieg zusammen, dem Zerfall der Anti-Hitler-Koalition und damit dem Ende der politischen Rücksichtnahme auf den einstigen Bündnispart- ner. 1946 erscheint in London Zoë Zajdlerowas Buch über das Schicksal der in die Sowjetunion deportierten Polen The Dark Side of the Moon.17 Ebenfalls 1946 wird in den USA die Lebensgeschichte des sowjetischen Überläufers Victor Kra- vchenko unter dem Titel I Chose Freedom publiziert. Darin werden die sibiri- schen Lager explizit als „Konzentrationslager“ bezeichnet.18 1948 erscheint David  J. Dallins und Boris  J. Nicolaevskys Studie Forced Labour in Soviet Rus- sia.19 1949 veröffentlicht die Witwe des in Moskau hingerichteten deutschen Kommunisten Heinz Neumann, Margarete Buber-Neumann, ihren Bericht Als Gefangene bei Stalin und Hitler.20 1950 schließlich erscheinen die Aufzeichnun- gen der jungen Schweizerin Elinor Lipper, die sich als Medizinstudentin in Ber- lin Anfang der 1930er-Jahre der Studentenorganisation der KPD zuwandte, 1933 über Italien in die Schweiz und 1937 in die Sowjetunion emigrierte, wo sie nach zwei Monaten grundlos verhaftet wurde und bis 1948 im Gulag gefangen war.21 tenz von Zwangsarbeitslagern, Gefängnissen und Zuchthäusern (außer Untersuchungsgefäng- nissen) schlichtweg ab. Stattdessen gebe es vorbildliche, der Erziehung der Strafgefangenen dienende Siedlungen. Stefan Heym: Keine Angst vor Russlands Bären. Neugierige Fragen und offene Antworten über die Sowjetunion. Düsseldorf: Brücken-Verlag 1955, S.  185–189. 17 Anonym (i.e. Zoë Zajdlerowa): The dark side of the moon. Vgl. Robert Neumanns 1959 ver- öffentlichten Roman mit dem Titel Die dunkle Seite des Mondes (DSM). Dessen Protagonist ist ein österreichischer Gulag-Überlebender, der vierzehn Jahre im Lager gefangen war. Der von überraschenden Wendungen, Täuschungen und Halluzinationen geprägte Text, der zwischen Kriminalgeschichte und Familiendrama changiert, setzt sich nicht konkret mit dem Gulag aus- einander. In den mehrfach auftauchenden Erinnerungsfetzen wird aber deutlich, wie trauma- tisiert der Protagonist durch seine Lagererfahrung auch nach der Rückkehr nach Österreich noch ist. 18 Victor Kravchenko: Ich wählte die Freiheit. Das private und politische Leben eines Sowjetbe- amten. Zürich: Thomas Verl. 1949, S.  404. Den Begriff „Konzentrationslager“ verwendeten zwar 1918 bereits Lenin und Trotzki für Sonderstraflager, aber nach dem Holocaust hat er eine neue Bedeutung bekommen, die für Kravchenkos Wortwahl schon eine Rolle spielte. Vgl. Applebaum: Gulag, S.  46. 19 David J. Dallin, Boris I. Nicolaevsky: Zwangsarbeit in Sowjetrußland. 20 Buber-Neumann: Als Gefangene bei Stalin und Hitler. 21 Elinor Lipper wird am 5. Juli 1912 in Brüssel geboren und wächst in der Schweiz und in Hol- land auf. Sie stammt aus einer gebildeten jüdischen Familie und ist früh vom Pazifismus ange- zogen. 1933 flieht die Studentin aus Berlin vor den Nazis nach Italien, bevor sie sich 1934 in die Schweiz absetzt, wo sie Verwandte hat. Dort schließt sie sich der kommunistischen Partei an und beteiligt sich an geheimen Missionen. Im Dezember 1935 heiratet sie den Schweizer Die Gulag-Debatte der Nachkriegsjahre 233
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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