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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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DER MANN Und was ist mit den Lagern? Pause. Sie haben doch Lager? REDNER Ja, natürlich. Wir haben Lager. Sommerlager, Ferienlager, Trainingsla- ger für Sportler, Ausbildungslager der Armee und Lager für die Sommerkurse der Universität  … (FR 156  f.) Merz/Qualtinger fügen dem nichts mehr hinzu, sondern lassen diese Szene mit dem Abblenden enden, um die Dreistigkeit der Antwort noch deutlicher zu machen. Deportation und Desillusion Eine Facette des „Archipel GULAG“, die auch in zahlreichen Berichten von Überlebenden eine wichtige Rolle spielt, gestaltet Reinhard Federmanns Him- melreich der Lügner: den Transport der Verurteilten in die Lager.35 Der Protago- nist des Romans, Bruno Schindler, hat sich freiwillig zur Roten Armee gemeldet, um als Immigrant seine Unterstützung der Sowjetunion zu verdeutlichen. Im Herbst 1936 wird er mit anderen jungen Soldaten zu einem Sondereinsatz abkom- mandiert. Ein Offizier erklärt ihnen ihre Aufgabe: Wir sollten einen Gefangenentransport begleiten, es handelte sich aber nicht um gewöhnliche Diebe und Mörder, sondern um besondere Schurken, denen kein Mittel zu schlecht war, die Sowjetheimat ins Unglück zu stürzen, Spione, Diver- santen und Terroristen; (HL 285  f.) Damit sind genau jene Stalin-Opfer bezeichnet, die nach dem berüchtigten Para- graphen 58 des Strafgesetzbuches der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (RSFR) von 1926 abgeurteilt wurden, der mit völliger Willkür gehandhabt wurde und der alle Tatbestände umfasste, die als „konterrevolutio- näre Straftat“ eingestuft wurden. „Die Formulierung der Straftatbestände war bewusst unscharf gehalten worden. Dadurch ließ sich fast jede Straftat politisie- ren.“36 Offensichtlich handelt es sich um einen Transport politischer Gefangener in ein Lager. Die Reise geht nach Osten, nach Orenburg und Orsk und darüber hinaus, d.h. in Richtung Karaganda, eine der berüchtigten Lagerregionen, die aber hier nicht explizit erwähnt wird. Federmanns Beschreibung des Transpor- 35 Über die Qualen der Deportationen in Eisenbahnwaggons vgl. auch das Kapitel „Die Sklaven- karawanen“ bei Solschenizyn. Solschenizyn: Archipel GULAG, S.  531  ff. 36 Gulag: Spuren und Zeugnisse 1929–1956. Hg. Volkhard Knigge und Irina Scherbakowa im Auftrag der Gesellschaft „Memorial“ Moskau und der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora. Weimar: Wallstein 2012, S.  137. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 238 6 Österreichische Gulag-Literatur
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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