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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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im Zuge dessen einen weitreichenden Werteverlust, der im Laufe der Roman- handlung aber nach und nach von neuen Werten ausgeglichen wird: österrei- chischem Patriotismus und katholischem Glauben (siehe Kapitel  5: Materialis- mus). Auf einer von den österreichischen Protagonisten selbst verfertigten Wandzeitung im Gefangenenlager befindet sich in signifikanter Weise neben einem Leitartikel und den Ergebnissen der Novemberwahlen „rot eingefaßt, der Wortlaut der Moskauer Deklaration“ und „eine Vergrößerung der neuen 40-Gro- schen Marke mit der Basilika von Mariazell“ (GT 215), Gründungsdokumente der austriakischen Nachkriegsidentität. Als unbelehrbare Nationalsozialisten treten in Die Getäuschten vornehmlich Deutsche auf, die mit sehr unsympathischen Zügen gezeichnet werden, wie der „SS-Obersturmführer Arnold, Gerichtsassessor in Hamburg“ (GT 162), der „die alte Gegnerschaft zwischen Heer [gemeint ist die Wehrmacht; d. Verf.] und SS“ (GT 160) schürt und der blonde SS-Leutnant Piehl (GT 176), der nicht nur die nationalsozialistische Gesinnung beibehält, sondern Anknüpfungspunkte bei den „Russen“ eher als beim „Westen“ wittert: Wir hätten nich jejen die Sowjets marschieren sollen, sondern erst mal den Wes- ten erledijen müssen. [...] Nu verteilen se erstmal die Beute auf unsere Kosten, und wenn se sich über der Beute in die Haare komm’, denn werden wir wieder herhalten müssen. [...] Aber denn könn’ wa nur mit die Russen wat jewinn’. Die sind ’n junget Volk. Die andern jehör’n wechjewischt. Und det wer’n wir besorjen – und vornewech die von der SS [...] (GT 176  f.) Die aus dem Umkreis des ‚Preußentums‘ und der SS stammenden Figuren tendie- ren sogar angesichts der Niederlage Hitlerdeutschlands und der sich abzeichnenden ersten Differenzen mit dem Westen zur Zusammenarbeit mit der Sowjetunion.21 Der Zusammenbruch Hitlerdeutschlands lieferte dann den Startschuss zu einer Neuordnung der Machtverhältnisse, der Koalitionen und Gegnerschaften, die 21 Neuere Forschungen zu hochrangigen Wehrmachts- und SS-Offizieren in sowjetischer Kriegs- gefangenschaft zeigen, dass manche von ihnen tatsächlich auf eine Kooperation mit den Sow- jets hofften. Sowjetische Akten mit Aussagen hochrangiger deutscher Kriegsgefangener verra- ten, dass Mitglieder aus dem Bund deutscher Offiziere wie Friedrich Paulus und Walther von Seydlitz sich, nachdem in einer Ankündigung Winston Churchills vom 15.  Dezember 1944 klar wurde, dass Deutschland besetzt werden würde, Hoffnungen machten, sie könnten nach der Ausschaltung Hitlers als neue Machthaber in Deutschland installiert werden. Vgl. Vladi- mir Kozlov: Politische Einstellung und Stimmung der deutschen Kriegsgefangenen und der wegen Kriegsverbrechen verurteilten in den Jahren 1944–1955. Ein quellenwissenschaftlicher Überblick aus Dokumenten des Sekretariats des NKWD (MVD) der UdSSR. In: Stefan Karner (Hg.): „Gefangen in Russland“. Die Beiträge des Symposions auf der Schallaburg 1995. Red. Renate Schönfeldinger. Graz, Wien: Selbstverlag des Ludwig Boltzmann-Instituts für Kriegs- folgen-Forschung 1995, S.  113–151, hier S.  131–138. Die Nazis, das sind die anderen 257
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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