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Umschichtungen und Umorientierun-
gen im diskursiven Feld nötig machte.
Der Grundkonsens in Nachkriegseuro-
pa lautete, dass die Herrschaft der Nati-
onalsozialisten und die aggressive deut-
sche Expansionspolitik für den Zweiten
Weltkrieg verantwortlich waren. Über
beidem stand ein von allen Seiten pro-
pagiertes ‚Nie wieder!‘. Der schärfste
Vorwurf, der nun einem politischen
Gegner gemacht werden konnte, war,
ihn mit den Nationalsozialisten bzw.
ihrer Politik gleichzusetzen. In der Fra-
ge danach, wer denn die neuen Nazis
wären, breitete sich im Kalten Krieg ein
Beschuldigungsdiskurs aus, an dem die
österreichische Literatur regen Anteil
nahm, wie im Folgenden zu zeigen ist.
Narrative Wiederholungsstrukturen
Oft wird in literarischen Texten der Nachkriegszeit durch einfache suggestive
Wiederholungsstrukturen die Verbindung zwischen altem Feind (Nationalsozi-
alismus) und neuem Feind (im Kalten Krieg) hergestellt. Diese rhetorische Tech-
nik lässt sich sowohl bei antikommunistischen wie kommunistischen Autoren
und Autorinnen finden. Im Roman Das Haus in der Brigittastraße (1955) der
Kommunistin Susanne Wantoch wird ein und dasselbe Haus, lokalisiert in der
Wiener „Brigittastraße“,22 zuerst durch den von den Nationalsozialisten herauf-
beschworenen Krieg zerstört, und dann durch gewinnorientierte Investoren, die
einer Geldentwertung durch die Währungsreform entgehen wollen, in einer so
unzureichenden Form wiederaufgebaut, dass es erneut einstürzt:
22 Tatsächlich existiert nur eine Brigittagasse in Wien, die sich aber ebenso wie die Straße des
Romans in der Nähe des Donaukanals befindet. Der Name spielt offensichtlich auf den 20.
Wie-
ner Gemeindebezirk an, der im Zweiten Weltkrieg durch amerikanische Fliegerangriffe beschä-
digt wurde, zur sowjetischen Besatzungszone zählte und den Sitz der KPÖ beherbergte.
TAGEBUCH 6 (1951) H. 18, 1.9.1951, S. 1.
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258 7 Das Gespenst des Nationalsozialismus im Kalten Krieg
Diskurse des Kalten Krieges
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Titel
- Diskurse des Kalten Krieges
- Untertitel
- Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20380-3
- Abmessungen
- 15.9 x 24.0 cm
- Seiten
- 742
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918