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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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aktionen ‚wiederholt‘, so symbolisiert in Die zweite Begegnung die wiederholte Bedrohung der Liebesbeziehung angesichts der Notwendigkeit einer politischen Flucht eine Analogie zwischen Hitlerfaschismus und Kommunismus. Eine thematisch ganz ähnliche Wiederholungsstruktur findet sich in Helmut Schwarz’ in Graz unter der Regie Heinz Gerstingers aufgeführtem Drama Das Aushängeschild (1959)24, dessen Protagonist der unter dem Nationalsozialismus verfolgte, später international anerkannte Dirigent Johannes Maybruck25 ist, der aus gesundheitlichen und künstlerischen Erwägungen knapp nach dem XX.  Parteitag der KPdSU im Februar 1956, an dem Chruschtschow den Stali- nismus öffentlich verwarf, ein Engagement in der DDR annimmt, wo er sich aber schließlich an das totalitäre Regime in Hitlerdeutschland erinnert fühlt. Die Handlung endet zur Zeit des Ungarnaufstands 1956, als Maybruck die DDR bereits wieder verlassen hat, weil viele seiner Freunde und Mitarbeiter Verdäch- tigungen und Verhaftungen zum Opfer gefallen sind. Als der politisch uninter- essierte Freund Maybrucks, der Arzt Wiedemann, aus unerklärlichen Gründen verhaftet wird, ruft seine Tochter aus: „Wie unter den Nazis!“ (A 63) Maybruck beschließt, sich und seine Freunde „in Sicherheit“ (A 84) zu bringen. Er wählt aber nicht Westberlin, sondern Zürich – „ein historisches Asyl“ (A 78) – als Auf- enthaltsort, von dem aus er damals weiter nach Südafrika floh: „Mein Leben scheint jetzt nur noch aus Wiederholungen zu bestehen. Es variiert eine Grund- situation – Zürich ist der Umschlageplatz. Wie damals, vor mehr als zwanzig Jahren! Ich hätte nie mehr nach Europa zurückkehren sollen.“ (A 84  f.) Auf diese Parallele deuten bereits frühere Textstellen hin. In einer thematisch einführenden, handlungstechnisch aber nur locker mit der Haupthandlung ver- bundenen Anfangsszene unterhalten sich eine Kellnerin in einem Flughafenre- dem kommunistischen Regime, sieht übrigens der österreichische kommunistische Schauspie- ler Otto Tausig, der erst im Jahr 1971 aus der DDR nach Österreich zurückkehrte, seine Situ- ation: „Nach 7 Jahren Emigration unter Hitler und 14 weiteren unter Torberg, Weigel und Konsorten war ich wieder in Wien.“ Otto Tausig: Kasperl, Kummerl, Jud. Eine Lebensgeschich- te. Nach seiner Erzählung aufgeschrieben von Inge Fasan. Wien: Mandelbaum 2005, S.  159. Vgl. auch Tausigs „ironisierende[s] Couplet über die Wechselfälle [s]eines Lebens“ (ebd., S.  184–188), wo er von seinem Exil in England berichtet, wo er habe „g’wart, dass der Führer krepiert“ (ebd., S.  184). Als er nach seiner Rückkehr wiederum aus politischen Gründen keine Existenzmöglichkeit in Wien gesehen habe, „ging ich halt noch einmal in das Exil, / mich fra- gend: Ja, ändert die Zeit wirklich viel?“ (ebd., S.  188). 24 Vgl. Heinz Gerstinger: Helmut Schwarz. In: Wort in der Zeit 9 (1963) H. 1, S. 9–17, hier S.  15  f. 25 Im Texttyposkript, das uns durch den Thomas-Sessler-Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde, wird der Name des Protagonisten im Personenverzeichnis mit Johann, im Text mit Johannes angegeben. Helmut Schwarz: Das Aushängeschild. Eine Reportage aus unseren Tagen [UA: 1959, Graz]. Typoskript: Wien, München: Sessler. [Das Typoskript bezeichnet den Titel als „Arbeitstitel“ und nennt die Wiener Verlagsanstalt (Böhme & Co.).] Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 260 7 Das Gespenst des Nationalsozialismus im Kalten Krieg
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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