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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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politischen Zustände, gegen die sie angekämpft haben, immer noch herrschen. Michael, einer der Untoten, der von den Nazis ermordet wurde, erzählt von einem Freund, der nach ihm auf ganz ähnliche Weise getötet wird: Für mich ist es schon aus. Aber mein Freund Alexander Kowalski erlebt jetzt den- selben Morgen. Er fährt über dieselbe Straße, die zum Hinrichtungsplatz führt, sieht denselben Garten, denselben Leiterwagen mit dem mageren Pferd und den- selben Bauern mit dem struppigen Schnurrbart. Ihn beschäftigen auch dieselben Gedanken. Es ist genau das gleiche wie damals, es sind nur andere Soldaten, die ihn auf dem letzten Weg begleiten. Die meinen hatten Stahlhelme auf, die seinen tragen Pelzmützen. (VB 116) Diese Passage stellt wiederum deutlich eine Parallele her, die zwei beinahe iden- tische Situationen zeigt, die nur durch die Merkmale der Soldaten – Stahlhelm für die nationalsozialistischen und Pelzmütze für die sowjetischen – unterschie- den sind, wobei die Zuordnung dieser Merkmale zu konkreten politischen Regi- men den Lesenden überlassen bleibt. Otto Basil, der diesen Text Dors rezensiert hat, weist genau auf den Punkt des Wiedergängertums des Vergangenen hin: „Aber die Welt, für die er [Dor] gekämpft hat, ist nicht auferstanden. Was auf- erstanden ist, hat eine verfluchte Ähnlichkeit mit dem, was abtreten mußte.“29 Intertextuelle und historische Parallelen zwischen Nationalsozialismus und dem Gegner im Kalten Krieg Das Horst-Wessel-Lied als Intertext der DDR-Literatur Eine Parallelstruktur, die nicht innerhalb des Textes aufzufinden ist, sondern die Kenntnis intertextueller Bezüge erfordert, findet sich in Robert Neumanns Par- odie Auf andere Art so stramme Richtung. Nach Johannes  R. Becher (1955). Die Parodie nimmt Bezug auf das 1951 veröffentlichte „Tagebuch 1950“ von Johan- nes  R. Becher mit dem Titel Auf andere Art so große Hoffnung. Neumann paro- diert den Lyriker und DDR-Kulturminister Becher, der gerade an einer Gesamt- ausgabe seiner Gedichte arbeitet, was ihn vor das Problem stellt, dass frühe Texte, die noch Charakteristika des Expressionismus tragen, nunmehr dem vom kalen Tendenzen im Kalten Krieg anschreibt. Vgl. Kriegleder: Die Literatur der fünfziger Jah- re in Österreich – ein Überblick, S.  47 und Barbara Wiedemann: „‚österreichisch‘ im besten Sinn“? Literatur im ersten Jahrgang des Wiener Forvm. In: treibhas. Jahrbuch für die Lite- ratur der fünfziger Jahre  10 (2014): Österreich, S.  69–93, hier S.  81. 29 O[tto]. B[asil].: „Der vergessene Bahnhof“. In: Neues Österreich, 16.10.1948, S. 5. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 262 7 Das Gespenst des Nationalsozialismus im Kalten Krieg
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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