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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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ten Novelle mit dem Titel Die Frau und der Tod.40 Der Text schildert die Sie- gesstimmung in New York einen Tag nach der Detonation der Hiroshima-Bom- be aus der Perspektive eines Soldaten, der soeben aus dem Zweiten Weltkrieg heimgekehrt ist. Der Text arbeitet mit subtilen Verweisstrukturen, anstatt klare politische Stellungnahmen auszuformulieren. Scheinbar unmotiviert durchzieht den Text eine Isotopie von Todesallegorien. Der einfältige Protagonist zieht dar- aus keinerlei Schlüsse. Er weiß nur, dass der Krieg zu viele Tote gefordert hat: „Jetzt, da er heimgekehrt aus dem größten der Kriege, war alles anders gewor- den für ihn auf ziemlich geheimnisvolle Weise. [...] ‚Vielzuviel Leichen zuviel‘, knurrte Slocum, baff über seine unvermutete Bitternis.“ (FT 104  f.) Die Leichen, die der Soldat im Krieg gesehen hat, stehen in Verbindung zu den Leichen, die in New York nach dem Atombombenabwurf gerade nicht sichtbar sind. Der Verweis auf die Atombombe als katastrophales Phänomen erfolgt ebenfalls nicht explizit, sondern in Form einer expressionistisch anmutenden Beschreibung eines Sonnenuntergangs: Drüben, jenseits des Stroms, überm grauen Ufer New Jerseys, ging die Sonne un- ter, konturlos, ein vernebelter, wild glutender Dreckfeuerball, eingehüllt in eine titanische Ausdünstung, in eine titanische heiße Dunstwolke, wie aufgeworfen von Millionen Rülpsern der Stadt. (FT 147) Dieses Bild zieht eine implizite, aber deutliche Parallele zum Atombombenab- wurf in Hiroshima und Nagasaki, die mit den Todesverweisen im Text korres- pondiert. Die „viele[n] Leichen“, die der Protagonist im Europa des Zweiten Weltkriegs erleben musste, werden so mit den Leichen durch den Atombom- benabwurf der USA parallelisiert. So wird eine grundlegende Kriegskritik for- muliert, die sich vor allem gegen die Siegesstimmung der USA wendet. Becher wendet sich der Thematik der Atomwaffe als Analogie zur Wunder- waffe Hitlers, die immer nur Fiktion bzw. Propagandatrick geblieben ist, auch in seiner unaufgeführt gebliebenen Zauberposse Die Kleinen und die Großen (1955)41 zu, stellt darin aber noch weitere Parallelen zwischen dem Dritten Reich und den Mächten des Kalten Krieges her. Das Drama handelt von der Vereite- lung der Weltherrschaftspläne des Diktators General Valdemario Adolar, der wie Hitler die Weltherrschaft anstrebt und sich dabei einer ‚Wunderwaffe‘ bedie- nen will. Auch nationalistische Parolen für die Phantasienation Quion durch- 40 Ulrich Becher: Die Frau und der Tod. Novelle. Berlin: Aufbau 1949. Ulrich Becher: Die Frau und der Tod. In: Ders.: Nachtigall will zum Vater fliegen. Ein Zyklus New-Yorker Novellen in vier Nächten. Wien: Continental Ed. 1950, S.  7–148 [Im Folgenden mit FT abgek.]. 41 Ulrich Becher: Die Kleinen und die Großen. Neue Zauberposse in zwei Akten. [1955]. In: Ders.: Spiele der Zeit. Hamburg: Rowohlt 1957, S.  293–405 [im Folgenden abgek. als KG]. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 266 7 Das Gespenst des Nationalsozialismus im Kalten Krieg
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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