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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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außerdem an ein verbreitetes Motiv antifaschistischer Publizistik an, in dem den Nationalsozialisten „Barbarei“, eine „Verrohung“ der Gesellschaft und Kulturlo- sigkeit vorgeworfen wurde. In einer polemischen Volte unterstellen Hupperts Gedichte nun auch den Amerikanern ein solch barbarisches Verhalten: Trun- kenheit, Gröhlen, tierisches Geschrei. Die „raunende“ Stimme, die angesichts des Obersalzbergs bei Berchtesgaden, wo sich Hitlers zweite Residenz, der soge- nannte „Berghof“47 befand, ehrfürchtig des Diktators und seiner Lebensgefähr- tin gedenkt, bindet vergangene NS-Barbarei und gegenwärtige US-Barbaren rhetorisch noch einmal aneinander. Die Darstellung des Salzburger Raumes in Hupperts Gedichten entspricht jener im kommunistischen Tagebuch. Dort wird etwa erzählt, dass im lokalen Grand Café Nackttänzerinnen, das Deutschlandlied, Jazzmusik und Redakteure der Salzburger Nachrichten zusammen anzutreffen wären.48 In einem Leser- brief ist von einem „neonational-schwarzbraune[n] Salzburger Getriebe im Zei- chen des Sternenbanners“49 die Rede. Damit wird auf den verhältnismäßig hohen Anteil ehemaliger Nationalsozialisten in Salzburg angespielt, da viele belastete NS-Funktionäre vor der vorrückenden Roten Armee in die künftige US-Besat- zungszone flohen, weil sie dort geringere Strafen erhofften. Auch der US-Einfluss bei den Salzburger Festspielen wird nicht nur in Hup- perts politischer Lyrik, sondern auch im Tagebuch immer wieder scharf kriti- siert.50 Die Salzburger Festspiele waren ein ideologisch heiß umkämpftes Ter- rain, was sich besonders an der Affäre rund um den kommunistischen österreichischen Schauspieler Karl Paryla zeigte. In den Jahren 1947 bis 1949 verkörperte er in den prestigereichen Inszenierungen von Hugo von Hofmannst- hals Jedermann die Rolle des Teufels. Der Salzburger Erzbischof Andreas Rohra- cher sprach sich dagegen aus, wie die Redaktion des Tagebuch berichtet und zugleich ironisch anmerkt, wenigstens diese Rolle könne man dem Kommunis- ten doch gönnen.51 Davon abgesehen war Paryla als Besetzung für die Rolle 47 Vgl. Josef Neul: Adolf Hitler und der Obersalzberg. Eine Dokumentation in Wort und Bild. Rosenheim: Dt. Verl.-Ges. 1997. Henk van Capelle, A.  P. van de Bovenkamp: Der Berghof. Adlerhorst – Hitlers verborgenes Machtzentrum. Wien: Tosa im Verl. Ueberreuter 2007. 48 Ernst Köller: Architektur Salzburger Bahn-Höflichkeiten. In: Tagebuch 5 (1950) H.  25, 9.12.1950, S.  5. 49 N.N.: Briefe an TB. In: Tagebuch  6 (1951) H.  19, 15.9.1951, S.  4. 50 Vgl. zur Kritik am Sinken des Inländeranteils bei den Salzburger Festspielen: Ernst Fischer: Die Salzburger Festspiele. In: Tagebuch  5 (1950) H.  15, 22.7.1950, S.  6. N.N.: T[age] B[uch] notiert. Der österreichische Gast wird selten. In: Tagebuch 9 (1954) H.  3, 30.1.1954, S.  5. Auf die politische Bedeutung der Salzburger Festspiele als Gegenpol zu Wiener Kulturstätten weist hin: Deutsch-Schreiner: Theater im ‚Wiederaufbau‘, S.  245. 51 Vgl. [Karl Paryla]: Karl Paryla macht Zwischenrufe für den Salzburger ‚Jedermann‘ In: Tage- buch  6 (1951) H.  14, 7.7.1951, S.  1  f., und N.N.: Nachbemerkung der Redaktion zu Parylas ‚Zwischenrufen‘. ebd. Hilde Spiel ließ in einem Aufsatz im Monat die Bemerkung fallen, Pary- 269Intertextuelle und historische Parallelen
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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