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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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nistische Autoren und Journalisten die USA mit den Nationalsozialisten und einen Boykott mit der Tötungsmaschinerie der Konzentrationslager gleichsetz- ten, wobei zu bedenken ist, dass damit der analogen Gleichsetzung von NS und Kommunismus durch die antikommunistische Seite zu kontern versucht wur- de.58 Ein anderer kommunistischer Text aus Österreich verbindet USA und Nati- onalsozialismus über die Problematik des Rassismus. Es handelt sich um Augus- te Lazars propagandistischen Kinder- und Jugendroman Sally Bleistift in Ame- rika59, der 1935 zuerst in deutscher Sprache in der Sowjetunion erschien und 1947 im Globusverlag erneut herausgebracht wurde. Der Text wurde wegen sei- ner Gleichsetzung von Kapitalismus und Faschismus auch „heftig kritisiert“.60 Diese Gleichsetzung manifestiert sich in der Erklärung von Pogromen im zaris- tischen Russland als Resultat der Verarmung und Bildungsferne breiter Bevöl- kerungsschichten im Kapitalismus. Die russische Jüdin Sally Bleistift erzählt ihrer Enkelin und ihren Pflegekindern von ihrer Vergangenheit und den Wur- zeln der antisemitischen Pogrome: [E]ine Luderwirtschaft war das in Rußland. Alle haben sie reich werden wollen, und alle haben sie gelebt in Saus und Braus, diese Herren, vom Minister bis zum Schreiber. Richter und Gutsbesitzer und die Beamten alle und die Offiziere haben aus den armen Bauern und Arbeitern herausgepreßt, was nur herauszupressen war. Auf dem Land und in den Städten, ’s war überall das gleiche. Na, da sind also diese armen Teufel immer bei dem Wirt gesessen und haben ihre letzten Kopeken versoffen und haben sich immer tiefer hineingeredet in die Wut. (SB 91) Diese „Wut“ richtet sich schließlich gegen ‚die Juden‘: „Diese Judenschlächter waren besoffene dumme Menschen. Sie wären nie so gemein geworden, wenn sie was gelernt hätten und nicht so verhetzt worden wären.“ (SB 96) Sally erklärt weiter: […] diese armen Leute in Rußland, die haben ja nicht einmal lesen und schreiben können. Man hat sie absichtlich so dumm gehalten wie möglich, damit sie alles 58 Vgl. auch N.N.: Brief aus New York. Beginn des offenen Faschismus in USA. In: Tagebuch 5 (1950) H.  22, 28.10.1950, S.  6. Rassismus, Einwandererzustrom aus faschistischen Kreisen Europas und eher antikommunistische als antifaschistische Besatzungspolitik bilden weitere Kritikpunkte. 59 Mary Macmillan (i.e. Auguste Lazar oder Auguste Wieghardt-Lazar): Sally Bleistift in Ameri- ka. Wien: Globus 1947, S.  91 [im Folgenden abgek. SB]. 60 Susanne Blumesberger: Das Leben als Arabeske. Auguste Lazar (1887–1970). In: Michael Rit- ter (Hg.): Praesent 2008. Das österreichische Literaturjahrbuch. Das literarische Geschehen in Österreich von Juli 2006 bis Juni 2007. Wien: Praesens 2007, S.  63–73, hier S.  70. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 272 7 Das Gespenst des Nationalsozialismus im Kalten Krieg
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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