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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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glauben müssen, was ihnen ihre Richter und Popen vorgeschwindelt haben. (SB 92) Damit wird der Bevölkerung ein fehlendes politisches Bewusstsein attestiert, das sie die ‚wahren‘ Gründe ihrer Armut nicht erkennen lässt. Analog zur Ver- knüpfung von Armut und Rassismus im zaristischen Rußland stellt der Text eine Verbindung zwischen Phänomenen des Rassismus und des Kapitalismus in Ame- rika her, welche die multiethnische „bunte Familie“ (SB 123) Sally Bleistifts direkt betrifft. Sally stellt die weißen Sklavenhalter in Amerika als die Vorläufer kapi- talistischer Unternehmer dar: Früher, wo’s keine Fabriken gegeben hat wie jetzt und keine Arbeiter, da sind die reichen Leut auf andere Weise reich geworden. Hier in Amerika zum Beispiel, da sind sie hergekommen, und weil in manchen Gegenden alles so wunderbar wächst, haben sie große Pflanzungen angelegt [...] Nu, wer hätt das alles bebauen sollen und die ganze Arbeit machen? Natürlich Sklaven, [...] (SB 56) Die Aspekte ‚Kapitalismus‘ und ‚Rassen‘-Diskriminierung werden in mehrfacher Hinsicht verknüpft, wodurch ein Argumentationsstrang unterstützt wird, den die kommunistische Propaganda im Kalten Krieg gern aufnahm: Die Paralleli- sierung von Rassismus im Nationalsozialismus und in den USA. Im Tagebuch wird die Kritik am US-amerikanischen Rassismus am Beginn des Kalten Krie- ges – etwa 1947 – aufgenommen und bis zur Einstellung der Zeitschrift 1965 kontinuierlich fortgeführt. Selbst der österreichische Autor Hermann Schreiber, der kein Kommunist war, schreibt darin über den „Zwiespalt, den Antisemi- tismus Nazideutschlands zu bekämpfen und dennoch den Rassenhaß gegen Neger und Juden im eigenen Land großzuziehen“,61 als ein soziales und gesell- schaftliches Problem der USA. In einem anderen Artikel, verfasst von Fritz Jen- sen, wird von Aktionen des „Rowdy-Antisemitismus“ in den USA berichtet. Juden würden auf offener Straße angegriffen, antisemitische Flugzettel verteilt und selbst auf einwanderungsrechtlicher Ebene seien Juden benachteiligt. Auch von Aktivitäten des Ku-Klux-Klans wird berichtet. Die Zwischenüberschrift des Artikels bringt den polemischen Vergleich suggestiv auf den Punkt: „Die Zei- chen von ‚Deutschland 1933‘ in den USA von 1953“.62 61 Hermann Schreiber: TB diskutiert über die ‚Nackten und die Toten‘. Enzyklopädie im Roman. In: Tagebuch  5 (1950) H.  16, 5.8.1950, S.  3. 62 Fritz Jensen: Mr. Streicher in den USA. In: Tagebuch 8 (1953) H. 6, 14.3.1953, S. 8. 273Intertextuelle und historische Parallelen
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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