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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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sche Konsequenz seiner einstigen Ideologie behandelt. Der Schuldirektor in Die Grenzbuben zeichnet sich durch Antikommunismus, Machtwillen und Willkür gegen sozial Schwächere aus, besonders gegen Waisen, Halbwaisen und Arbei- terkinder. Diese Eigenschaften werden auch Vertretern des Nationalsozialismus unterstellt. Der Polizist aus Geisterbahn der Freiheit hingegen zeichnet sich durch Gewaltbereitschaft und Faszination an der Disziplinierung des Einzelnen im Kollektiv, an Ordnung und an Symbolen der Macht wie Fahnen und Marschfor- mationen aus. Auch diese Eigenschaften werden in eine Kontinuitätsbeziehung zur NS-Herrschaft in Österreich gebracht. Mit der Frage nach den persönlichen Kontinuitäten war jeweils auch ein sehr konkretes gesellschaftliches Problem der Nachkriegszeit angesprochen, in der unterschiedliche Strategien im Umgang mit den ca. 500.000 ehemaligen NSD- AP-Mitgliedern verfolgt wurden, darunter schwere Kriegsverbrecher und füh- rende Funktionäre ebenso wie „Minderbelastete“ und Mitläufer. Die Grundlinie der sowjetischen Entnazifizierungspolitik war die schnelle und formlose Wiederintegrierung der sogenannten ‚kleinen Parteigenossen‘. Schon im Befehl Nr.  1 des russischen Kommandanten von Wien im April 1945 hieß es [...]: ‚Das von den Nazis verbreitete Gerücht, daß die Rote Armee angeblich alle Mitglieder der NSDAP vernichtet, ist Lüge. Die Nationalsozialistische Partei wird aufgelöst, doch die einfachen Mitglieder der Nationalsozialistischen Partei bleiben unbehelligt, wenn sie sich gegenüber den Sowjettruppen loyal verhal- ten.‘63 Die sowjetische Besatzungsmacht hoffte auf Zusammenarbeit mit der öster- reichischen Bevölkerung, was sich an ihrer raschen Befürwortung der Regie- rung Renner zeigte. Die einheimischen ‚antifaschistischen‘ Kräfte sollten dem Plan der sowjetischen Politik gemäß für das kommunistische System gewon- nen werden.64 Diese Politik der Reintegration blieb nicht ohne Kritik; so kri- tisiert der katholische Autor Rudolf Henz die mangelnde Entnazifizierung auf beiden Seiten, wobei er den Sowjets vorwirft, gleichsam aus Selbstschutz eine grundlegende Auseinandersetzung mit autoritären Systemen zu unter- lassen: Die geistige Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus hat nicht stattge- funden. Man hat ein paar Goldfasane eingesperrt, dann wieder laufen lassen und in schönster Parteikonkurrenz umworben. Die kleinen Mitläufer aber, die damals enttäuscht und zuweilen sogar erschüttert waren, hat man konsequent renazifi- 63 Stiefel: Entnazifizierung, S. 41. 64 Vgl. Ebd., S. 40  f. Personelle Kontinuitäten 275
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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