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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Seite - 276 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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ziert. Eine Auseinandersetzung mit der Diktatur, mit dem totalen Staat hätte auch die Russen getroffen.65 Von US-amerikanischer Seite wurden ehemalige NS-Funktionäre – gerade, wenn sie antikommunistisch eingestellt waren – oft auch unterstützt bzw. für ihre eige- nen Interessen, meist geheimdienstliche Aktivitäten, eingesetzt.66 In Felix Gamillschegs Die Getäuschten (1961) wird mit der unsympathischen Figur des Hauptmann Rose ein Überläufer vom Nationalsozialismus zum Kom- munismus gezeichnet, der sich allerdings nicht so sehr durch politische Über- zeugungen, sondern durch Opportunismus und Machtgier auszeichnet. Diesem Verhalten wird jenes des positiv gezeichneten Protagonisten Büheler gegenüber- gestellt, der dem Nationalsozialismus abschwört, seine antikommunistische Ein- stellung aber unverändert beibehält. Bühelers Bekehrung vom Nationalsozialis- mus erscheint allerdings zwielichtig, wenn er Vergebung für ehemalige NSDAP-Angehörige fordert, indem er behauptet, er könne Kindern nicht erklä- ren, „wie es mit der Betonung des Rechtsstaates vereinbar sei, daß man ihren Eltern die Wohnung, die Möbel konfisziert habe, daß dieser Vater hinausgewor- fen, jener monatelang eingesperrt worden sei, nur weil sie einmal einer Partei angehört hatten“. (GT 351) Dagegen werden die Verbrechen der sowjetischen Besatzungsmacht hervorgehoben, „einer ‚Befreiung‘, die sich täglich in Verge- waltigungen, Übergriffen, Verschleppungen demonstriere“. (GT 351) So wird argumentiert, Österreich müsse als ein „Brückenkopf des Westens“ (GT 360) die- sem vor dem Zugriff der Sowjetunion Schutz bieten, womit eine eindeutige Stel- lung im Kalten Krieg bezogen ist. Die personelle Kontinuität zwischen dem Wehr- machtssoldaten und katholischen Antikommunisten wird hier positiv bewertet und in Abgrenzung zu deutschem Nationalsozialismus und Kommunismus dar- gestellt. Damit werden zwei verschiedene Kontinuitäten zur NS-Zeit hergestellt, die eine Einordnung ins bipolare Schema des Kalten Krieges ermöglichen. Mit dem Handlungsmotiv der personellen Kontinuität arbeitet auch Ernst Hin- terberger in seinem Erstlingsroman Beweisaufnahme (1965). Der Protagonist Robert Wehhofer stellt sich selbst als Mitläufer dar, der zunächst der HJ beitritt, nach dem Einmarsch der russischen Besatzungsmacht allerdings wie selbstver- 65 Henz: Fügung und Widerstand, S. 307. 66 So berichtet etwa Arnold Kopeczek vom „Fall Verbelen“, der „besonders [anschaulich zeigt], wie eng die Integration ehemaliger Angehöriger der mittleren Ebene der NS-Hierarchie in westlichen Nachrichtendiensten sein konnte und auch war“. Arnold Kopeczek: Fallbeispiele des Kalten Krieges in Österreich 1945–1965. Wien: Univ.-Diss. 1995, S.  67. Vgl. zur Zusam- menarbeit von CIC und ehemaligen Nationalsozialisten sowie zur Fluchthilfe für Nazis nach Südamerika auch Siegfried Beer: The CIA in Austria in the Marshall Plan Era, 1947–1953. In: Günther Bischof, Anton Pelinka, Dieter Stiefel (Hg.): The Marshall Plan in Austria. New Bruns- wick [u.a.]: Transaction Publishers 2000, S.  185–211, hier S.  193  f. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 276 7 Das Gespenst des Nationalsozialismus im Kalten Krieg
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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