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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Seite - 278 -
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Seite - 278 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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„Das klingt ja so, als ob man wieder die alte SA oder einen Soldatenbund oder so etwas aufziehn wollte. [...] Soll denn das Soldatenspielen wieder angehn?“ (HB 168) Leo, der hier im Interesse des amerikanischen Geheimdienstes agiert, versucht eine Kooperation mit früheren NS-Funktionären aufzubauen, um die Position der USA im Kalten Krieg zu stärken. Ferdinand nimmt das Angebot zuerst halbherzig an, da er das dafür gebotene Geld dringend braucht. Als er wegen mangelnden Engagements vom CIC verhört und gefoltert wird, fühlt er sich an Verhörmethoden im Nationalsozialismus erinnert. Über den Schläger, der ihn foltert, sagt er: Er weiß genau, wohin er schlagen muß, damit keine Striemen zurückbleiben – wie ich noch in der Ukraine war [als Wehrmachtssoldat], hatten wir in der Feldgen- darmerie einen, der hat das auch sehr gut können. (HB 105) In Wantochs Roman wehrt sich der ehemalige SA-Mann letztlich gegen die ‚Wie- derbetätigung‘ im Dienst eines US-amerikanischen Antikommunismus, da er ange- sichts der Gräueltaten der Wehrmacht gegen Partisanen sein Verhalten und seine Überzeugungen überdenken musste (HB 110). Wantoch zeigt also nur den Versuch einer Kooperation der US-Besatzungsmacht mit ehemaligen Nazis. Im Gegensatz dazu tritt in Ernst Fischers Drama Die Brücken von Breisau (1952) die Figur eines unbelehrbaren Nazi auf, der nach der Niederlage Hitler-Deutschlands erneut an die Macht gelangen will und sich zu diesem Zweck der US-Besatzungsmacht anbiedert. Diese nimmt seine Dienste gerne in Anspruch, da sie ihre Interessen mit den Mit- teln der Demokratie in Fischers Drama nicht durchzusetzen vermag. Wie sich an zahlreichen Beispielen zeigen lässt, werden in der kommunisti- schen Presse und Literatur der Nationalsozialismus und die USA während des Kalten Krieges insofern gleichgesetzt, als beiden Kriegstreiberei unterstellt wird.68 Dem wird die Friedenspropaganda der Kommunisten entgegengesetzt (vgl. Kapi- tel  8: Die atomare Bedrohung, u. Kapitel  12: Kunst im Kalten Krieg), die darauf spekulierte, dass dieses Argument die kriegsmüde Bevölkerung ansprechen und Sympathien für den Kommunismus erzeugen würde. Diese Strategie prägt auch das Propaganda-Stück Die Brücken von Breisau69 von Ernst Fischer. Der Dra- 68 Besonders prominent ist das Beispiel des Artikels, der fast die ganze Ausgabe des Tagebuch vom 24.  November 1951 (Jg.  6, H.  24) einnimmt, und unter dem Titel Trumans ‚Mein Kampf‘ steht. Darin wird die Ausgabe der Zeitschrift Collier’s vom 27.  Oktober 1951 mit dem Titel Preview of the war we do not want kritisiert, welche einen Russlandfeldzug Amerikas imagi- nierte, indem dies als Ankündigung einer aggressiven Politik gewertet und mit Hitlers Mein Kampf verglichen wird. Die Titelseite parallelisiert die genannte Collier’s-Ausgabe mit einer Ausgabe des Völkischen Beobachters. 69 Ernst Fischer: Die Brücken von Breisau. Eine Komödie in drei Akten. [UA: 22.3.1952, Scala]. Wien: Globus 1952 [im Folgenden abgek. BB]. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 278 7 Das Gespenst des Nationalsozialismus im Kalten Krieg
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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