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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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menhandlung liegt ein historischer Vorfall zugrunde, von dem das Tagebuch, dessen Mitherausgeber Fischer war, 1951 berichtet hat: Der Bamberger Stadtrat hat ein Beispiel gegeben, das ihn über viele andere zeitge- nössische Stadtratversammlungen turmhoch emporhebt. Er hat einstimmig eine Weisung der Bonner Bundesregierung [...] abgelehnt. Die amerikanischen Subs- tituten von Bonn haben nämlich dazu aufgefordert, den Besatzungsbehörden die Baupläne der Brücken zu Sprengvorbereitungen auszuhändigen. Bürgermeister Grosch erklärte: ‚1933 haben wir gegen die Gewaltherrschaft gekämpft und sind dafür in die KZ ge- gangen. Darum werden wir auch heute gegen derartige Maßnahmen eintreten. Wir haben keine Veranlassung bei Zerstörungen mitzuhelfen.‘ Der Bamberger Oberbürgermeister Weegmann erklärte: ‚1945 hat man die Brückensprengungen als Sinnlosigkeit dargestellt. Wir haben Vor- würfe bekommen, daß wir damals Befehle ausführten, ohne uns zu weigern. Jetzt wollen wir unsere Fehler von damals nicht wiederholen.‘70 Dass Fischers Drama auf diese Begebenheit zentral Bezug nimmt, wird im Tagebuch auch explizit erklärt: „Anlaß zu der Komödie […] bot das Beispiel einiger westdeutscher Städte, unter ihnen Bamberg, wo die Liebe zur Heimat größer war als die Furcht vor der amerikanischen Militärregierung.“71 Die Her- vorhebung des Satzes „Jetzt wollen wir unsere Fehler von damals nicht wiederho- len“ und die prominente Stelle, an der die Daten 1933 und 1945 platziert werden, üben eine suggestive Wirkung aus. Wie in dieser propagandistischen Darstellung im Tagebuch werden auch im Drama die Pläne der amerikanischen Besatzungs- macht als Wiederkehr der Nazi-Pläne dargestellt. Schon die Wahl des Sujets impliziert diese Verbindung, da auch die Nationalsozialisten 1945 Brücken spreng- ten, um den Vormarsch der Alliierten zu hemmen. Arnolt Bronnen bemerkt in seinem der DDR-Politik gegenüber linientreuen Reisebericht Deutschland – kein Wintermärchen (1956) über das symbolträchtige Objekt der Brücke: Wir ratterten über die breite, große Hebebrücke, die den Peene-Strom überquert. Ihre Wiederherstellung – SS hatte sie in den letzten Kriegswochen gesprengt – gehörte zu den dringlichsten Brückenbauten im ersten Fünfjahrplan. Die andere große Brücke [...] wird im zweiten Fünfjahrplan wiederhergestellt werden. So verstärkt und verdichtet sich das Band, das die einzelnen Glieder der Republik 70 N.N.: Der Bamberger Stadtrat. In: Tagebuch 6 (1951) H. 8, 14.4.1951, S. 1 [Hervorh. und Kur- sivierung im Orig.]. 71 N.N.: [Vorbemerkung zu:] Ernst Fischer: Höchste Zeit  …! Oder: Die Brücken von Breisau [Dramentextauszug]. In: Tagebuch  7 (1952) H.  7, 29.3.1952, S.  5. Nazi-Kooperation 279
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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