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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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nicht komische „Komödie“ geht noch weiter, wenn der Vizebürgermeister Adolf Schuster von der Volksmenge gefeiert und unter lautem Geschrei in die Luft geworfen wird: Und immer, wenn er oben war, hoppla, Adolf, hoch soll er leben, und immer, wenn er herunterkam, diesmal bleib aber fest, sonst schlagen wir dich zu Klum- pen! Hoppla, Adolf, hoch soll er leben! Hoppla, Adolf, und wenn du uns wieder verrätst, schmeißen wir dich in den Fluß, unter die Brücken von Breisau! (BB 64) Diese befremdliche Szene, in der die Wiederkehr eines ‚Führers‘ unter sozialde- mokratischen Vorzeichen affirmiert wird, erklärt sich aus der kommunistischen Ideologie, die politische Machthaber und Akteure innerhalb einer spezifischen Matrix bewertet, die als einander entgegengesetzte Pole einerseits Bevölkerung bzw. Frieden und andererseits Kapital bzw. Krieg kennt. Teuthold Stumpf, der 1945 die Breisauer Brücken sprengte, entscheidet sich in diesem Schema für die ‚falsche‘ Seite, indem er die militärischen und wirtschaftlichen Bestrebungen der US-amerikanischen Figuren unterstützt. Erst aufgrund dieser politischen Verortung wird er mit dem kommunistischen Feindbild ‚Nazi‘ kompatibel, das konstitutiv für die propagandistische Argumentationslinie des Dramas ist. Auch im Mediendiskurs dieser Zeit spielte die Frage, welche der beiden Sei- ten im Kalten Krieg mit (ehemaligen) Nationalsozialisten gemeinsame Sache machte, eine wichtige Rolle. In der sozialdemokratischen Arbeiter-Zeitung wird im historischen Umfeld des Oktoberstreiks 1950 die Kooperation zwischen Kommunisten und ehemaligen Nazis, die sich häufig im 1949 gegründeten „Ver- band der Unabhängigen“ (VdU) fanden, inkriminiert. In einem Artikel vom 1.  Oktober 1950 heißt es etwa: „Der Zweck dieser wilden Streiks war aber, in Österreich Unruhen herbeizuführen. Bezeichnenderweise gingen dabei die Kom- munisten und der VdU. gemeinsam vor.“80 Ein Cartoon, der den kommunisti- schen „Radaubruder“ auf den Schultern eines VdU-Repräsentanten zeigt,81 soll diese Zusammenarbeit verdeutlichen. In diesen Beiträgen wird die Beteiligung von VdU-Mitgliedern bei einem Generalstreikversuch behauptet, der hauptsäch- lich von kommunistischer Seite betrieben wurde. Dabei wird angeführt, dass: „ein Voest-Betriebsrat, der dem VdU angehört, Absolvent der Leninschule in Moskau ist, während des Krieges SS-Offizier war und nun als Agent der Natio- nalen Liga (Slawik-Gruppe) in Linz arbeitet.“82 Die Vereinigung „Nationale Liga“ erwähnen auch Milo Dor und Reinhard Federmann in einem für den Hes- 80 N.N.: Werft die kommunistischen Radaubrüder hinaus! In: Arbeiter-Zeitung, 1.10.1950, S. 1. 81 N.N.: Der Schrittmacher. In: Arbeiter-Zeitung, 4.10.1950, S. 3. 82 N.N.: Der Streik der Kommunofaschisten. Seine Folgen und Hintergründe. In: Arbeiter-Zei- tung, 1.10.1950, S.  2. Nazi-Kooperation 285
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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