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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Geschickt zog er einige Volksgerichtsprozesse so lange hin, bis ihn die Immu- nität des Nationalrats vor weiteren Verfolgungen rettete.“87 Wie diese Beispiele zeigen, waren echte und behauptete Kooperationen zwischen Personen, die als NS-nah galten, und den jeweiligen Gegnern im Kalten Krieg kein auf die fikti- onale Literatur beschränktes Phänomen. Arrangements und gemeinsame Tische Die fehlende Aufarbeitung des Nationalsozialismus in der österreichischen Nach- kriegsgesellschaft wurde bekanntlich erst ab 1986 in Zusammenhang mit der sogenannten ‚Waldheim-Affäre‘ auf der Ebene der breiten Öffentlichkeit disku- tiert. Noch 1988 löste Alfred Hrdlickas Mahnmal gegen Krieg und Faschismus, das sich am Wiener Helmut-Zilk-Platz befindet, Proteste gegen die sichtbare Auseinandersetzung mit diesem Thema aus. Jedoch war es auch kein Geheim- nis, dass nach Kriegsende mehr oder minder belastete Nationalsozialistinnen in das politische, wirtschaftliche, kulturelle und private Leben der zweiten Repu- blik integriert wurden. Der Kalte Krieg bildete den Katalysator für diesen Pro- zess: Ab 1947/48 begann sich das gesamtgesellschaftliche Klima in Österreich zuguns- ten der ehemaligen Nationalsozialisten nachhaltig zu verändern. [...] Vor allem der Kalte Krieg hatte das Interesse der Alliierten an der Fortführung einer harten Entnazifizierung rasch beendet. Insbesondere die bis dahin in der Frage der Ent- nazifizierung tonangebende US-Besatzungsmacht reduzierte ihre diesbezüglichen Bemühungen, obgleich sie im Alliierten Rat dennoch darauf bedacht blieb, die ös- terreichischen Bestrebungen zur Beendigung der Entnazifizierung zu verhindern. Vor dem Hintergrund einer Gesellschaft, die von der ‚Kriegsgeneration‘ (700.000 Ex-NSDAP-Mitglieder und 1,2 Mio. Kriegsteilnehmer) dominiert wurde, waren die Weichen aber in Richtung Integration der ‚Ehemaligen‘ gestellt.88 Der Kalte Krieg stellte eine ideologische Polarisierung bereit, die sich in Öster- reich in einem auf „Anti-Kommunismus“89 basierenden Konsens auswirkte. Die Praxis der Kooperationen mit den ‚Ehemaligen‘ gedeiht auf der Grundlage neu- 87 Dor, Federmann: NS-Parnass in Österreich, S. 21. 88 Neugebauer, Schwarz: Der Wille zum aufrechten Gang, S. 53  f. Vgl. auch Robert Knight: Kalter Krieg, Entnazifizierung und Österreich. In: Sebastian Meissl, Klaus-Dieter Mulley, Oliver Rath- kolb (Hg.): Verdrängte Schuld, verfehlte Sühne. Entnazifizierung in Österreich 1945–1955. Symposion des Instituts für Wissenschaft und Kunst, März 1985. Wien: Verl. für Geschichte und Politik 1986, S.  37–51. 89 Knight: Kalter Krieg, Entnazifizierung und Österreich, S. 51. Arrangements und gemeinsame Tische 287
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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