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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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sie sich, wozu diese „jämmerliche Einträchtigkeit“ (UMI 173) dient. Neben dem persönlichen Opportunismus der Beteiligten gibt der Text noch eine andere Ant- wort. Als der Ich-Erzähler über die irrwitzige Situation spricht, dass auch Juden, deren nächste Verwandte von den Nationalsozialisten ermordet wurden, wieder mit den Nazis und ihren Mitläufern an einem Tisch sitzen, meint er: Damals, nach 1945, habe ich auch gedacht, die Welt sei geschieden, und für im- mer, in Gute und Böse, aber die Welt scheidet sich jetzt schon wieder und wieder anders. Es war kaum zu begreifen, es ging so unmerklich vor sich, jetzt sind wir wieder vermischt, damit es sich anders scheiden kann, wieder die Geister und Taten von anderen Geistern und Taten. Verstehst du? (UMI, 173) Auch wenn es nicht explizit ausgesprochen wird: Stellt man diese Passage in ihren historischen Kontext, dann ist hier von der Transformation der bis 1945 den Diskurs bestimmenden Dichotomie Nationalsozialismus vs. seine Gegner in die den Kalten Krieg bestimmende Dichotomie von westlichen vs. kommu- nistischen Staaten die Rede, eine neue grundlegende „Unterscheidung“. Kom- munisten sitzen keine am Tisch, die neue Eintracht, die hier im Zeichen des Verdrängens gestiftet wird, ist gegen den neuen Feind gerichtet.98 Auf den Zusammenhang zwischen der nachsichtigen Inklusion ehemaliger Nazis und der radikalen Exklusion aller des Kommunismus Verdächtigten bei Österreichs Kalten Kriegern weist noch deutlicher eine Tischgesellschaft in Ulrich Bechers 1957 erschienenem Roman kurz nach 4 hin, ein Text, der sich mit den Nachwirkungen des Krieges im Jahr 1955 beschäftigt und in zahlreichen Rück- blenden die Verstrickung von Österreichern in die nationalsozialistischen Ver- brechen ebenso thematisiert wie das allgegenwärtige Verdrängen: Unter den Fittichen der amerikanischen Besatzungsmacht zurück kehrte eine Handvoll jüngerer mediokrer, vorwiegend jüdisch-bürgerlicher Wiener Intellek- tueller, die vorm Zweiten Krieg in die Staaten emigriert waren und dort nicht reüssiert hatten, […] remigrierend ausgerichtet nach dem Exerzierreglement und Katechismus des ‚Komitees Für Unamerikanische Machenschaften‘, darin das Hauptwort führte jener Senator Joseph McCarthy, der sich unter Ausnützung der allgemeinen Atomschizophrenie (Atomspaltungsirresein) als Großinquisitor al- les ‚Roten‘ zu etablieren gedachte. […] fraternisierte […] mit den Nutznießern 98 Freilich steht diese Konstruktion unter keinem guten Stern, wie Bachmanns Erzählung deut- lich macht, denn die unter den Stammtisch gekehrte Seite der Vergangenheit schwillt im Neben- raum bei einem Kameradschaftstreffen in Form alter Nazi-Gesänge bedrohlich an und entlädt sich schlussendlich in einem spontanen Gewaltausbruch, einem Mord durch die „alten Front- soldaten“ (UMI, 186) an einem, der sie angeblich provoziert, das kann nur heißen, an ihre Taten erinnert hat. Arrangements und gemeinsame Tische 291
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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