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Akteure im sogenannten „Brecht-Boykott“101, sondern führten auch gegen den
Vorstand des österreichischen PEN-Clubs vehement Krieg.102 In einem weiteren
Sinn wird hier freilich die gesellschaftliche Gemengelage im Österreich der Nach-
kriegszeit insgesamt attackiert, die nach all den Spaltungen der vorangegange-
nen Jahrzehnte nicht nur eine neue Einigkeit zu Wege brachte, sondern auch
eine Ausschlusspraxis darstellte, die wesentlich für die Verwerfungen der öster-
reichischen Identität bis zur Waldheim-Debatte und darüber hinaus verantwort-
lich war. Der gemeinsame Tisch steht damit nicht nur für die Kontinuität der
alten Eliten vom Nationalsozialismus zur Zweiten Republik, sondern auch für
die Konstruktion neuer Koalitionen und neuer Feindbilder im Zeichen des Kal-
ten Krieges, die diese Kontinuität erst möglich machten.
101 Vgl. Kurt Palm: Vom Boykott zur Anerkennung. Brecht und Österreich. Wien et al.: Löcker,
1983.
102 Vgl. Roman Roček: Glanz und Elend des P.E.N. Biographie eines literarischen Clubs. Wien,
Köln, Weimar: Böhlau 2000, S.
276–280, S.
310–314, S.
379–384; Ingrid Schramm: Der Wiener
PEN-Club vom Beginn des Kalten Krieges bis zur Ostöffnung (1947–1990). In: Bores, Hanu-
schek (Hg.): Handbuch P.E.N., S. 533–549. Arrangements und gemeinsame Tische 293
Diskurse des Kalten Krieges
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Titel
- Diskurse des Kalten Krieges
- Untertitel
- Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20380-3
- Abmessungen
- 15.9 x 24.0 cm
- Seiten
- 742
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918