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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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So wird Thirrings Monographie vom Kommunisten Walter Hollitscher20 ein- geleitet und befindet sich damit im Fahrwasser kommunistischer Propaganda, die den Friedensbegriff zu instrumentalisieren suchte. Stalin verfolgte spätestens ab Anfang 1948 die Strategie einer ostentativen Friedenspropaganda (vgl. Kapi- tel  11: Rhetorik), die besonders Atomwaffen in Verruf bringen sollte, über die bis zum August 1949 ausschließlich die USA verfügten.21 Auch die kommunis- tische Presse in Österreich problematisiert schon 1946 Atomwaffen.22 Thirring, der in der Atomforschung Autorität besaß und Problembewusstsein zeigte, wurde im Zuge dessen zu vereinnahmen versucht. So rezensiert das Öster- reichische Tagebuch23 in den Jahren 1946–1948 mehrmals Bücher von Thir- ring positiv.24 Dies ändert sich jäh, als er Anfang 1950 beginnt, die Atompolitik der USA im Sinne einer Abschreckungsstrategie zu rechtfertigen, welche besagt, dass zwei mit Kernwaffen gut ausgerüstete Großmächte einander durch ihre Abschreckungswirkung von einem Angriff abhalten.25 Beide Seiten des Kalten Krieges rechtfertigten damit ihre Aufrüstung mit Kernwaffen, wobei die eigene Rolle im Kalten Krieg als rein defensiv, präventiv und kontrollierend dargestellt wurde, die des Gegners hingegen als anmaßend, bedrohlich und erpresserisch.26. 20 Vgl. Werner Röder [u.a.] (Red.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. International Biographical Dictionary of Central European Émigrés 1933–1945. Hg. v. Institut für Zeitgeschichte München u.v d. Research Foundation for Jewish Immigrati- on, Inc., New York, unter d. Gesamtleitung v. Werner Röder u. Herbert  A. Strauss. München [u.a.]: Saur 1980–1983. Bd.  1. München [u.a.]: Saur 1980, S.  312. Dieter Wittich: Walter Hol- litscher. In: Erhard Lange, Dietrich Alexander (Hg.): Philosophenlexikon. 3.  Aufl. Berlin: Dietz 1984, S.  399–401. 21 Heuser: The Bomb, S. 159. 22 Beispielsweise: Walter Hollitscher: Atomenergie und Politik. (Gedanken zu einem Londoner Vortrag Professor I.  D.  Bernals). In: Österreichisches Tagebuch  1 (1946) H.  3, 20.4.1946, S.  12. W[alter] H[ollitscher]: Die ‚Deutsche Atombombe‘ oder Wer das Pulver nicht erfand. In: Österreichisches Tagebuch  1 (1946) H.  14, 6.7.1946, S.  5  f. Walter Hollitscher: Atom- bombe und ‚Weltuntergang‘. In: Österreichisches Tagebuch  1 (1946) H.  15, 13.7.1946, S.  5. 23 Die Zeitschrift Österreichisches Tagebuch ändert mit der ersten Ausgabe des Jahres 1950 ihren Namen in Tagebuch. 24 Vgl. Walter Hollitscher: ‚Der Weltfriede als psychologisches Problem‘. In: Österreichisches Tagebuch  1 (1946) H.  8, 25.5.1946, S.  14. N.N.: Das Buch [zu Hans Thirring: Die Geschichte der Atombombe]. In: Österreichisches Tagebuch  2 (1947) H.  3, 25.1.1947, S.  14. N.N.: [zu Hans Thirring: Anti-Nietzsche, Anti-Spengler.] In: Österreichisches Tagebuch 3 (1948) H.  4, 23.1.1948, S.  12. Walter Hollitscher: Thirrings Friedenspsychologie. In: Österreichisches Tagebuch  3 (1948) H.  9, 27.2.1948, S.  3  f. 25 Diese Argumentation für die Aufrüstung kritisieren auch viele westlich orientierte Intellektu- elle wie Günther Anders scharf. Vgl. Helga Raulff (Kurat.): Strahlungen. Atom und Literatur. [Erscheint zur Ausstellung; Literaturmuseum der Moderne, Marbach am Neckar, 20.11.2008– 1.2.2009]. Marbach/N.: Dt. Schillerges. 2008. S.  79. 26 Günther Nenning spricht beispielsweise von einer „zynischen Erpressung mit der Superbom- be.“ Günther Nenning: Glossen zur Zeit. In: Forvm  8 (1961) H.  93, September, S.  308. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 300 8 Die atomare Bedrohung in der österreichischen Literatur
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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