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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Rüstungswettlauf der Großmächte. Die Sowjetunion hatte am 29.  August 1949 die erste Uranbombe getestet, womit der waffentechnische Vorsprung der USA aufgeholt war. Deshalb entschied US-Präsident Truman am 31.  Jänner 1950, die „Superbombe“ zu bauen, wie die Wasserstoffbombe lange bezeichnet wurde.43 Diese wurde am 1.  November 1952 getestet, die UdSSR zog am 3.  August 1953 nach. Im Frühjahr 1954 legten die USA eine verbesserte Version vor, im Novem- ber 1955 war auch die UdSSR auf dem neuesten Stand. Die Möglichkeit der Ent- wicklung einer neuen Atomwaffengattung lag in der Luft. Favoriten waren hier die Fusion-Fission-Fusion-Bombe (FFF-Bombe),44 die Lithiumbombe45 oder die Kobaltbombe.46 Die Lithiumbombe stellte einen Typ dar, mit dem die Sowjetuni- on die USA kurzzeitig überholt hatte und auch in Zwischen Gott und Teufel besteht das fragliche Wissen, das Gegenstand der Spionage wird, unter anderem darin, ob Lithiumchlorid beim Wasserstoffbombenbau verwendet werden soll (vgl. ZGT 19). Der Vorsprung in diesem wissenschaftlich-technischen Kampf war ein Vor- sprung des Wissens, das die Tendenz hat, sich auszubreiten und das im Kalten Krieg dennoch vor der jeweils anderen Macht geheim zu halten versucht wur- de.47 Erst vor diesem Hintergrund gewinnen Spionagefälle wie jener von Klaus Fuchs oder Ethel und Julius Rosenberg ihre historische Bedeutung. Auch die Spionageversuche in Hellers Roman sind davon motiviert, wie auch die konkre- te Erwähnung des Falles Klaus Fuchs’ zeigt (Vgl. ZGT 51 u. 91; Kapitel  9: Spio- nage). Ein anderer Aspekt des Atomdiskurses der Nachkriegszeit, die Atome- nergieerzeugung zur zivilen Nutzung, taucht an weitaus weniger prominenter Stelle in Hellers Roman auf: als Zukunftsvision und Gegenbild zur aktuell herr- schenden Situation des Kalten Krieges. Er knüpft dabei an den zeitgenössischen Diskurs über die „friedliche Atomenergie“ an, die von beiden Kalten-Kriegs-Geg- nern als das Gegenteil des militärischen Machtkampfes inszeniert wird, tatsäch- lich aber weltpolitisch keineswegs unbedeutend war. Michael Salewski hat darauf hingewiesen, welche enorme Bedeutung der Geschichte der Energie im 19. und 20.  Jahrhundert beigemessen werden kann, da diese in engem Zusammenhang mit politischer Macht steht.48 Der Energie- 43 Holloway: Nuclear Weapons and the Escalation of the Cold War, S. 382  f. Vergleiche zu diesem Wettlauf ausführlicher: Jungk: Heller als tausend Sonnen, S.  266–282. 44 Jungk: Heller als tausend Sonnen, S.  314. 45 Ebd., S. 312. 46 Engelbert Broda: Zu dieser Kobaldbombe [sic!]. In: Tagebuch 5 (1950) H. 25, 9.12.1950, S. 1. 47 Vgl. zur Geheimhaltung von Wissen im Zusammenhang mit der Atomwaffe: Eva Horn: Der geheime Krieg, S.  386–393. 48 Michael Salewski: Energie, Macht und Politik: Realitäten und Visionen im 19. und 20. Jahr- hundert. In: Ders. (Hg.): Das nukleare Jahrhundert, S.  10–22. Krieg oder Frieden = Bombe oder Kraftwerk 305
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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