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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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diskurs schreibt sich „von der materialistischen Philosophie der Technik her“,49 welche die Umsetzung menschlicher Arbeitskraft oder der Naturkräfte in Arbeit beschrieb. Zugleich ist dieser Kraft als einer ‚prima causa‘ des Lebens eine transzendente Bedeutung inhärent: Ob das Feuer des Prometheus oder das ‚Kalte Licht‘ der letzten Jahrhundertwen- de; ob die Visionen Heinrich Heines im Anblick des Dampfrosses oder die Exta- sen Jean Pauls und vieler romantischer Dichter; ob das Öl in Alaska oder eben der erste Kernreaktor in Amerika – jedesmal war mit dem Faszinosum Energie ein ganzes Tableau von gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, oft auch künstlerischen, vor allem aber politischen Visionen verknüpft.50 Energie faszinierte durch die raschen Veränderungen des kulturellen Lebens, welche dadurch möglich wurden, etwa die elektrische Beleuchtung von Städten und Straßen zu Beginn des 20.  Jahrhunderts. Nicht zuletzt beruhte auch politi- sche Macht auf der technischen Verfügbarkeit von Energie: Die Supermächte von heute sind die Atommächte, in ihrem Selbstverständnis wie in der Wahrnehmung der have-nots. Über Nuklearenergie verfügen, das heißt ganz schlicht: die Bombe zu besitzen. Alles andere ist Derivat. Atomenergie zu ‚friedlichen Zwecken‘, wie es bezeichnenderweise heißt, ist geradezu definiert durch den Verzicht auf Transformation dieser Energie in politische Macht im Sin- ne der imperialen Denkweisen des 19. und frühen 20.  Jahrhunderts.51 Die Atomenergie manifestiert demnach den Inbegriff der Umsetzung von Ener- gie in politische Macht in Form der Atombombe, die aber auch auf dem indi- rekten Weg des wirtschaftlichen und technischen Fortschritts erreicht wird, der die ‚friedliche‘ Nutzung der neuen Energiequelle erfordert. Kriegerische und friedliche Nutzung erscheinen im öffentlichen Diskurs allerdings als Gegensät- ze, zu denen sich die politischen Vertreter der Großmächte in erwartbarer Weise positionieren. So erklärt der sowjetische Vertreter im „Sicherheitsrat der Ver- einten Nationen“ Andrei Gromyko beim jährlichen Treffen des „Ameri can- Russian Institute“ im Waldorf-Astoria 1947: „The purpose of control is to pre- vent the use of atomic energy for military purposes and to insure its use for peaceful aims only. This is the task. It seems that all agree on this point.“52 In der 49 Ebd., S. 14. 50 Ebd., S. 12. 51 Ebd., S. 22. 52 [Andrei Gromyko:] Text of Gromyko Address Explaining Soviet Stand in Atomic Warfare. In: New York Times, 20.5.1947. Zit. n.: N.N.: USA – Sowjetunion: Internationale Beziehungen, 1940/64. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 306 8 Die atomare Bedrohung in der österreichischen Literatur
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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