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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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zung wird mit kommunistischen Organisationen und Staaten verbunden, die Atomwaffenherstellung immer wieder mit westlichen Regierungen in Verbin- dung gebracht. Wenn in Totale Sonnenfinsternis Lexeme wie „Kriegsverbrecher“ oder „Friede“ auftauchen, tragen sie die diskursiv bedingten Semantisierungen mit sich und sind für die Zeitgenossen leicht als Propaganda decodierbar. Atomenergie und geistige Energie Friedrich Heers dystopischer Roman Der achte Tag (1950), der im Jahr 2074 angesiedelt ist (vgl. Kapitel  5: Materialismus), imaginiert eine Situation, in der enorme Energiemengen durch die Atomspaltung zur Verfügung stehen. Die komplementäre Beziehung zwischen Atomwaffenproduktion und Atomenergi- enutzung für wirtschaftliche Zwecke wird noch deutlicher als in Hellers Atom- spionageroman herausgestellt. Hinzu kommt aber die Thematisierung von Möglichkeiten, die in kultureller und ‚geistiger‘ Hinsicht durch die neue Ener- giequelle entstehen. Die Romanhandlung beginnt in einer Situation, in welcher der Systemkon- flikt zwischen Ost und West sich bereits aufgelöst hat, da eine einzige Weltre- gierung sich durch ihr vehementes Machtstreben – im Rahmen eines sechzig- jährigen Atomkrieges – an die Spitze gesetzt hat. Obwohl die Macht bereits vollkommen zentralisiert ist, wird die atomare Rüstung mit unverminderter Intensität fortgesetzt, da man Angriffe aus dem Weltall fürchtet oder zumindest für die Bevölkerung als furchterregend darstellt. Die Atombombenerzeugung wäre angesichts der wenig plausiblen Existenz einer extraterrestrischen Feind- macht ein politisch uninteressantes Thema, wenn sie nicht in komplementärer Beziehung zur Entwicklung des Atomenergiesektors stünde. Die Atompolitik ist innerhalb des Romans ein unter den Vertretern der gesell- schaftlichen Führungsschicht heiß umstrittenes Thema, das politische Machtha- ber und Anführer in je andere Bahnen gelenkt sehen wollen: Der Spitzenpolitiker Denjokin stellt die herrschende Atompolitik, die in einer ausschließlichen Kon- zentration auf die Waffenentwicklung besteht, in Frage. Er wird von seinen poli- tischen Gegenspielern verurteilt und für 20 Jahre in ein Arbeitslager in der Wüs- te Gobi verbannt. Nach seiner Rückkehr erzählt er dem Romanprotagonisten John Brown vom genauen Hergang dieses Prozesses und seiner Vorgeschichte. Er schickt voraus, dass die Atomwaffentechnologie innerhalb des weltumspan- nenden Einheitssystems zu Ungunsten der zivilen Atomenergienutzung voran- getrieben werde: „Der Große Krieg [fiktiver dritter Weltkrieg, Anm. d. Verf.] und die letzte Vorkriegszeit [1945 bis etwa 1970, Anm. d. Verf.] hatten bekanntlich die Atomforschung auf die Auswertung im militärischen Sektor beschränkt.“ (AT 59) „Die Forschungen und Arbeiten auf dem zivilen Sektor der Atomkraftver- Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 310 8 Die atomare Bedrohung in der österreichischen Literatur
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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