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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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wertung ruhen völlig.“ (AT 72) Denjokin hatte vor seiner Deportation ins Arbeits- lager ein Programm ausgearbeitet, das die Entwicklung der Atomenergie so weit vorantreiben sollte, dass den Menschen nur noch wenig Arbeitszeit zugemutet werden müsste. Dieses Programm stellte aber eine massive Bedrohung für die totalitäre Regierung dar, die fürchtete, das Revolutionspotential der Menschen könnte steigen, wenn sie nicht durch Arbeit diszipliniert werden.58 Besonders Denjokins Vorhaben, die gewonnene Freizeit durch ein Erziehungsprogramm mittels Kunst und Kultur auszufüllen, erregt das Misstrauen der anderen Mit- glieder des „BÜRO“, der zentralen Machtinstanz des fiktiven Weltregimes: Denjokin hoffte, auf Grund eines Zwanzigjahrplanes, der später in seinem Prozeß als Atomplan  A, als Vorplanung seiner geheimen Weltherrschaftspläne kritisiert und verurteilt wurde, der Menschheit Atomenergie in nahezu jeder gewünsch- ten Form, Stärke, Wirkweise zur Verfügung stellen zu können, so, daß die Ge- neralarbeitszeit der in der autonomen M.G. [Menschheits-Gesellschaft, Anm. d. Verf.] organisierten Menschen, damals rund 90 Prozent der Gesamtbevölkerung der Erde umfassend, sukzessive zuerst auf sechs, dann auf vier, zuletzt auf zwei Arbeitsstunden pro Tag herabgesetzt werden könnte! (AT 60) Um den Verlust der Gesellschaftsstruktur, der durch die Arbeitseinsparung ent- steht, auszugleichen, bemüht sich Denjokin um Kunst-, Kultur- und Bildungs- initiativen, die ihm als Eigenmächtigkeit und „Strebens nach totaler Machtüber- nahme“ (AT 61) zur Last gelegt werden. Denjokins Plan, die Umwandlung der Kernenergie in Freizeit für die Bevöl- kerung, ist im zeitgenössischen Diskurs vor allem mit marxistischen Standpunk- ten eng verwoben. So schreibt Ilja Ehrenburg über den Nobelpreisträger, Phy- siker und Präsidenten des Weltfriedensrates Jean Frédéric Joliot-Curie: [E]s war seine wohlerwogene Ansicht, daß die Atomenergie die Arbeit der Men- schen erleichtern und ihnen mehr Freizeit ermöglichen würde, und – wie er die Dinge sah – würde Freizeit nicht nur ein Ausruhen, sondern auch eine schöpferi- sche Betätigung des Einzelmenschen bedeuten.59 Der „Energiefaktor Mensch“,60 also die arbeitende Bevölkerung, konnte nach Ansicht von Friedrich Engels durch die Erschließung potenter Quellen von 58 Dem liegt die Vorstellung der Entsprechung von menschlicher Arbeitsenergie und natürlichen Energiequellen wie der Atomspaltung zugrunde (vgl. Kapitel  5: Materialismus). 59 Ilja Ehrenburg: Liebe und Kunst im Atomzeitalter. Antwort auf einen Brief. In: Tagebuch 15 (1960) H.  6, Juni, S.  12. 60 Salewski: Energie, Macht und Politik, S. 14. Atomenergie und geistige Energie 311
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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