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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Naturkräften entlastet werden. Engelbert Broda macht in seinem Buch Atom- kraft – Furcht und Hoffnung, in dem eine vermehrte Nutzung nuklearer Ener- gieressourcen propagiert wird, die unterschiedlichen gesellschaftlichen Bedin- gungen in unterschiedlichen Staaten durch den Hinweis auf deren Energiequellen deutlich: „In Indien stammen noch 70  % der verwendeten Ener- gie aus tierischer und menschlicher Muskelkraft, in Amerika nur 4  %.“61 Dies impliziert, dass die Erschließung der Atomkraft als Energiequelle einer Gesell- schaft durch die Entwicklung der Produktionsmittel insgesamt einen enormen Entwicklungsschub bescheren könnte. Nicht immer wird mit diesem technischen Fortschritt aber auch ein Fort- schritt für die Kultur erwartet. Der Plan druckte 1947 einen Textpassage Egon Friedells wieder ab, die bereits um 1930 entstanden war. Darin wird die Frage gestellt, ob die Atomenergie auf eine Änderung ökonomischer Zustände hoffen lässt.62 Friedell zeigt sich allerdings wenig zuversichtlich, was die Verbesserung der sozialen Ungleichheit und der allgemeinen Lebensbedingungen durch erhöh- te Energieressourcen angeht: Die Entbindung der ‚intraatomischen‘ Energie könnte selbstverständlich eine vollkommene Umwälzung aller irdischen Verhältnisse zur Folge haben. Hingegen können nur sehr naive Personen glauben, daß dies auch die Lösung der sozialen Frage bedeuten würde. Da der ‚Normalmensch‘[...] als gedankenloser Schurke ge- boren wird und stirbt, so ist zu vermuten, daß derartige Errungenschaften der Technik, ganz ebenso wie die bisherigen, nur zu neuen Formen der allgemeinen Habsucht und Ungerechtigkeit führen würden. Man stelle sich vor, daß vor zwei- hundert Jahren jemand prophezeiht hätte, in welchem Maße es der Menschheit gelingen würde, die magnetische Energie, die elektrische Energie, die Sonnen- energie, die in der schwarzen Kohle, und die Wasserenergie, die in der ‚weißen Kohle‘ aufgespeichert ist, nutzbar zu machen: welche ganz selbstverständlichen Schlüsse auf paradiesische soziale Zustände hätten die Philanthropen daraus ge- zogen! Statt dessen ist alles viel schlimmer geworden, und Europa zerfällt in ka- pitalistische Staaten, in denen die meisten Bettler sind, und in Sowjetstaaten, in denen alle Bettler sind. Nein: durch die ‚Aktivierung des Atoms‘ würden bloß die Oberen noch gieriger, die Unteren noch ärmer, also beide noch hungriger werden und die Kriege noch bestialischer; zur Lösung der sozialen Frage bedarf es einer moralischen Emanation, Strahlenerzeugung und Atomzertrümmerung.63 61 Engelbert Broda: Atomkraft – Furcht und Hoffnung. Das Wesen der Kernenergie und die Mög- lichkeiten ihrer Verwendung. Wien: Globus 1956, S.  152. 62 Vgl. Egon Friedell: Atomzertrümmerung. In: Der Plan 2 (1947), S. 91. 63 Egon Friedell: Kulturgeschichte der Neuzeit. Die Krisis der europäischen Seele von der schwar- Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 312 8 Die atomare Bedrohung in der österreichischen Literatur
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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