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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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tiv genutzt werden würde. In Rudolf Geists ungedrucktem, phantastischem Atomkriegsroman Augenzeuge Menschheit (1949) findet sich die esoterische Konzeption einer universalen „Weltenergie“ (AM 69), die in positiver – aufbau- ender – und negativer – zerstörerischer – Weise eingesetzt werden kann. Ihre Nutzung zu nicht-militärischen Zwecken kann etwa so aussehen Da hieß es dann, man habe in Trojansk Planeten entdeckt, auf denen es Krieg überhaupt nicht gäbe, wiewohl die Menschen dort über eine universale Energie verfügten, mittels der sie alles auf, unter und über ihrer Erde wie ihrem Wasser betreiben würden, unterseeische Anlagen, Schiffe, Bahnen und Bänder, Flugkör- per, Beheizungsanlagen im Untergrund, Kabel, pneumatische Posteinrichtungen rings um den fernen Globus, Industrie- und Lichtanlagen, Sende- und Höranla- gen, fahrende Straßen, Trottoirs, Lifts, und selbst die gewaltigsten Hausbauten würden damit gemeistert. (AM 186) Hingegen basiert auch eine besonders effektive Waffengattung, der ‚blaue Tod‘, der chemische, biologische und radioaktive Komponenten vereint, auf energe- tischen bzw. anti-energetischen Vorgängen. Auf Geists naturphilosophisches Konzept, das sich bewusst den Prämissen des dialektischen Materialismus wider- setzt, kann an dieser Stelle nicht eingegangen werden, jedoch lässt sich bemer- ken, dass die Handlung, welche deutlich von der konkreten Situation des Kalten Krieges im Zeitalter modernster Forschung und technischer Errungenschaften ausgeht, eng mit einem Konzept der Energie als Urgrund von Aufbau und Zer- störung verknüpft wird. Der richtige Umgang mit dieser Energie wird zum kri- tischen Punkt, der über Leben und Tod der gesamten Weltbevölkerung entschei- det. Geists Text spricht damit die Warnung aus, die Atomenergie, die wie in vielen anderen Texten mit Energie schlechthin gleichgesetzt wird, destruktiv einzusetzen. Damit wird die Problematik der Atomwaffenproduktion auf eine die konkrete politische Konfrontation übersteigende, allgemeine Ebene geho- ben. Die elementare Entscheidung sei die Wahl zwischen der zerstörerischen oder aufbauenden Wirkung energetischer Prozesse, nicht die Wahl eines politi- schen Lagers. Während die Regierungen der West- und der Ostmächte im Zusammenhang mit dem Thema der Atomenergieerzeugung auf die Hervorhebung der eigenen friedlichen und fortschrittsfördernden Absichten bedacht waren, zeigen sich in literarischen Texten oft diesbezügliche Zweifel. Hellers Roman affirmiert zwar die Bedeutung der zivilen Atomenergienutzung für den Frieden, stellt aber fest, dass für die Großmächte im Kalten Krieg das Wettrüsten im Vordergrund steht. Heers dystopischer Roman unterstreicht ebenfalls die komplementäre Bezie- hung von Energie- und Waffenproduktion, problematisiert aber beide insofern, als ihnen keine Entwicklung einer moralischen, geistigen Energie entspricht. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 314 8 Die atomare Bedrohung in der österreichischen Literatur
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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