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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Auch Günther Anders spricht in seinem Text Thesen zum Atomzeitalter (1959) von einem „promethischen Gefälle“,79 das zwischen Herstellungs- und Vorstel- lungsleistung im Atomzeitalter entsteht. Die technischen Fähigkeiten zur Her- stellung bedingen „promethische“, gottähnliche Fähigkeiten, die aber ohne die nötige Vorstellungsleistung und Moral zur „Bestrafung“ bzw. zur Apokalypse führen. Der Vergleich der Atomkraft mit dem Prometheusfeuer wurde immer wieder angestellt.80 Damit konnte einerseits die extreme Leuchtkraft von Atom- bombendetonationen angesprochen werden, die alternativ auch immer wieder durch den Vergleich mit dem Sonnenlicht dargestellt wurde,81 andererseits die Assoziation mit der Atomenergie als einer ‚Urkraft‘ geweckt werden, deren Ver- wendung einen Vorstoß in das verbotene Terrain der Schöpfungsinstanz bzw. des Göttlichen bedeutet. Am Mittag des 6.  August 1945 hörten Bürger und Bürgerinnen der USA in den Radionachrichten: „Without qualification, the President said that Allied scientists have now harnessed the basic power of the universe. The have harnes- sed the atom.“82 Die ‚Grundkraft‘ des Universums, bisher ureigenes Terrain des Schöpfers, schien demnach durch den Menschen, selbst ein Geschöpf, okkupiert. Welche Assoziation läge näher als die mit Frankenstein, der berühmten Roman- figur Mary Shelleys, einem Gelehrten der ‚Natur‘, der ebenfalls mit desaströsen Folgen im Bereich der Schöpfung dilettiert? Meanwhile, over at NBC, the dean of radio news commentators, H[ans]. V. Kalten- born, was preparing the script of his 7:45 P.M. broadcast. The first draft began by describing the atomic bomb as ‘one of the greatest scientific developments in the history of man.’ [...] Continuing in his stern, professorial voice, Kaltenborn struck a somber note: ‘For all we know, we have created a Frankenstein! We must assume that with the passage of only a little time, an improved form of the new weapon we use today can be turned against us.’83 79 Günther Anders: Thesen zum Atomzeitalter [Februar 1959]. In: Ders.: Die atomare Drohung. Radikale Überlegungen. 2.,  erw. Aufl. v. ‚Endzeit und Zeitenende‘. München: Beck 1981, S.  93–105, hier S.  96. 80 Vgl. Stölken-Fitschen: Der verspätete Schock, S. 152. 81 Ein Beispiel, das schon durch seinen Titel deutlich wird, stellt die Folge 27 der DDR-Comic-Rei- he Mosaik mit dem Titel Die neue Sonne (1959) dar. Wir danken Robert Leucht für diesen Hinweis. Vgl. dazu Dolores  L. Augustine: Red Prometheus. Engineering and dictatorship in East Germany, 1945–1990. Cambridge/Mass. [u.a.]: MIT Press 2007, S.  234  f. Besonders pro- minent freilich auch Robert Jungks Buchtitel: Heller als tausend Sonnen. 82 Zit. nach: Boyer: By the Bombs Early Light, S. 4. 83 Ebd., S. 4  f. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 318 8 Die atomare Bedrohung in der österreichischen Literatur
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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