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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Dieser Rückgriff auf mythologische und literarische Quellen im Zusammenhang mit der neuen Technologie ist kein Einzelfall. Die Atomphysiker des ‚Manhat- tan Projects‘ (1942–1946) waren „in der Vorstellung der Laien zu mythischen, überlebensgroßen Figuren geworden. Man nannte sie ‚Titanen‘, verglich sie mit Prometheus, der Zeus, den Lenker der Geschicke, herausgefordert hatte, nann- te sie ‚Teufelsgötter‘“.84 In Hellers Zwischen Gott und Teufel wird die doppelte Assoziation der H-Bom- be als göttliches und teuflisches Werkzeug schon im Titel angesprochen. Auch eine Schlüsselstelle des Romans motiviert diesen Titel und verstärkt die mythisch-religiösen Dimensionen des Atom-Diskurses: Der Spionagekrieg tobt um ein Dokument mit Aufzeichnungen physikalischer Erkenntnisse, das schließ- lich von einem Agenten zwischen den Lemmata „Deus“ und „Diabolus“ in einem frühneuzeitlichen „Tractatus universalis“ versteckt wird. Der auktoriale Erzähler fasst diese Bedeutungselemente am Ende zusammen: Tatsächlich liegt der Entwurf des Berichtes H-7 zwischen den Blättern des ‚für- trefflichen Tractatus Universalis‘ von Theophilus Gervasius, Pagina 312 und 313, deren erstere mit ‚Deus‘ beginnt, während letztere mit ‚Diabolus‘ endet. Hier ruht das schwere Geheimnis, das über Wohl und Weh der Menschheit entscheiden kann, liegt in der Mitte zwischen Gott und Teufel, genau so wie die ganze Mensch- heit seit jeher – und nie mehr als jetzt – zwischen diesen beiden Polen hängt und sich nie entschließen kann, für welchen von beiden sie sich endgültig entscheiden soll, für ihren glückvollen Aufstieg – oder ihren Untergang ... (ZGT 331  f.) Die Formulierung, dass die Menschheit „nie mehr als jetzt“ zwischen Aufstieg und Untergang stehe, symbolisiert durch Gott und Teufel, repräsentiert sehr pointiert das Selbstverständnis der Menschen im Atomzeitalter. Dieses wurde als bedrohliche Nähe einer Apokalypse und damit als ablaufende Zeit empfun- den. – Darauf verweisen Titel wie Die gestundete Zeit (1953), des ersten Gedicht- bandes von Ingeborg Bachmann, oder Es ist später als du denkst von Kühnelt. In Kurt Becsis Drama Atom vor Christus85 (UA: 1952, Köln) meint eine Figur: „die Uhr tickt, – noch tickt sie, doch wenn sie aufhört morgen, heute, in diesem Augenblick, dann ist alles zerfetzt, zerrissen, verbrannt“. (AVC 4) Im Jahr 1947 richtete das Bulletin of the Atomic Scientists eine „doomsday clock“ ein. In Zwischen Gott und Teufel wird die Atomkraft mehrfach als zugleich gött- lich und teuflisch angesprochen. Als Kim Donald eine komplexe wissenschaft- liche Aufgabe gelöst hat und seine Kollegin sich erleichtert zeigt, antwortet er: 84 Jungk: Heller als tausend Sonnen, S. 229. 85 Kurt Becsi: Atom vor Christus. Ein Drama in drei Akten [UA: 1952, Köln]. Berlin: Bloch Erben [ca. 1952] [Im Folgenden abgek. AVC]. Atomfaszination und Atomangst 319
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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