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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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flüsterte sie. ‚Es ist draußen geblieben.‘ Im selben Augenblick rief der Alte ihren Namen.“ (HN 80) Das ungewohnte Verhalten des Paares, sich vor dem Alten zu verstecken, dem sie gewöhnlich gehorchen, das vergessene Hemd, das Nacktheit als solche erst bewusst macht, der Ruf des Alten „Wo bist du, Luise?“ (ebd.) und schließlich die Bezeichnung des Kleides als „Schlangenhaut“ (ebd.) sind eindeu- tige intertextuelle Verweise auf die biblische Erzählung.91 Der Atomkrieg erscheint so in Die Höhlen Noahs als vergessene und wieder bewusst werdende Ursünde des Menschen, nicht aber als Resultat einer bestimmten historisch und politisch verortbaren Situation. Besonders häufig findet sich im deutschsprachigen Raum die Verknüpfung der Atomthematik mit dem Fauststoff.92 Ulrich Krökel nennt Bertolt Brechts Das Leben des Galilei (1938–42), Carl Zuckmayers Das kalte Licht (1955), Hans Henny Jahnns Die Trümmer des Gewissens (1959), Heinar Kipphardts In der Sache J.  Robert Oppenheimer (UA 1964) sowie Friedrich Dürrenmatts Die Phy- siker (1962).93 In allen diesen Texten stehen Wissenschaftler im Mittelpunkt, die aufgrund bahnbrechender Erkenntnisse der moralischen Gefährdung aus- gesetzt sind, die wissenschaftliche Erkenntnis über ethische und humanitäre Überlegungen zu stellen.94 Einen faustischen Wissenschaftler in genau diesem Sinn führt Hans Friedrich Kühnelts Drama Es ist später als du denkst (UA: 1963) vor. Die postapokalypti- 91 Vgl. 1. Buch Mose (Genesis) Kapitel 3, Vers 7–9: „Da gingen beiden die Augen auf und sie erkannten, dass sie nackt waren. Sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich einen Schurz. Als sie Gott, den Herrn, im Garten gegen den Tagwind einherschreiten hörten, ver- steckten sich Adam und seine Frau vor Gott, dem Herrn, unter den Bäumen des Gartens. Gott, der Herr, rief Adam zu und sprach: Wo bist du?“ 92 Vgl. Alfred Dedo Müller: Dämonische Wirklichkeit und Trinität. Der Atomkrieg als theologi- sches Problem. Meditation und Strukturanalyse. Gütersloh: Mohn 1963, S.  13  f. 93 Vgl. Ulrich Krökel: „Bombe und Kultur“, S. 199–201. Zu weiteren Texten, welche den Faust- stoff in Verbindung mit der Atomwaffenproblematik als Hintergrund haben vgl. Stölken-Fit- schen: Atombombe und Geistesgeschichte, S.  220–228. Sydna Stern Weiss erwähnt in ihrer Besprechung deutscher ‚Nuclear Fiction‘ mit Warnungsfunktion ebenfalls mehrmals die Faus- tfigur als Verweiszusammenhang. Sie erwähnt auch den Roman Friedrich Heers Der achte Tag als Beispiel für deutschsprachige Literatur, welche die Hybris des Menschen im Atomzeitalter anprangert. Vgl. Sydna Stern Weiss: From Hiroshima to Chernobyl. Warnings in the Nuclear Age. In: Papers on Language and Literature  26 (1990) H.  1, Special Issue on Nuclear Fic- tion, Winter, S. 90–111. 94 Die Häufigkeit dieses Narrativ, das den Wissenschaftler der Übertretung göttlicher Gebote bezichtigt, beschreibt auch Rolf Tzschaschel: „Atomphysiker, so die öffentliche Meinung, suchen die ultimative Wahrheit in den Atomen und sind dadurch gotteslästerlich. Sie suchen die ver- botenen Geheimnisse, erliegen der Versuchung der verbotenen Frucht des Baumes der Erkennt- nis, und die Strafe für das Übertreten dieses göttlichen Verbots ist die Vernichtung.“ Rolf Tzschaschel: Atomkriege in der Science-Fiction. In: Salewski (Hg.): Das nukleare Jahrhundert, S.  226–251, hier S.  233. Atomfaszination und Atomangst 323
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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