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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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schon lange, dass ein seltsam ungreifbarer „Untergrund“ (KG 301) an seinem Sturz arbeitet. Dieser Untergrund wird durch die „Kleinen“ gebildet, deren onto- logischer Status unklar bleibt und zwischen mythischen Koboldfiguren, psychi- schen Kräften wie dem Gewissen oder einer schizophrenen Störung und einer symbolischen Dimension, die auf das aufständische ‚Volk‘ anspielt, schwankt. Diese „Kleinen“ nennen sich „Hinz[e]“ (KG 311) und kennen die Geschichte von Jahrhunderten aus ihrer eigenen Anschauung. Sie begleiten die Menschen ungesehen und verfügen über magische Fähigkeiten. An einer Stelle des Dramas unterhalten sie sich unter anderem über die Atomkraft, welche das Machtmittel der „Ostgroßen“, der „Westgroßen“ (KG 316) und auch des Diktators Adolar dar- stellen, den die Hinze zu sabotieren planen: KRETPFUHL: Ein Holzscheit zu spalten, mag gottgefällig sein. Das K-l-e-i-n- s-t-e jedoch in der Schöpfung zu spalten, ist wider Gott; es schmerzt ihn. In der großen Explosion entlädt sich Gottes jäher Schmerz und Zorn. Sein Jähzorn. ROSSTRAPP stur: Hummm ... BLASSERLE: I-c-h meine, die Spaltung ist das Alpha und Omega aller Kraft. Al- len Lebens vom Tag an, da die Qualle im Meer sich spaltete in Männliches und Weibliches. Der Doktor Faustus wußte das. Ihm schon war geglückt, in seiner Küche [...] einen künstlichen Hinzen zu erzeugen. ROSSTRAPP: H-u-m-m-m ... BLASSERLE: Auch das Atom zu spalten war Fausto geglückt; doch behielt er das Kunststück für sich. (KG 315  f.) Faust wird hier als Schöpfer künstlichen Lebens – analog zu Frankenstein – dar- gestellt, der sich unerlaubt göttliches Wissen und damit göttliche Macht aneig- net wie Prometheus, Luzifer oder Adam und Eva. Die mythische Dimension dient in Bechers Drama einer ironisierenden Sichtweise auf die – mit den Mit- teln der Tragödie nicht mehr adäquat behandelbare100 – Thematik der atomaren Bedrohung im Kalten Krieg; auch die Abwendung der Atomkriegsdrohung Ado- lars erfolgt durch die Hinze, also ebenso groteske wie phantastische Wesen. Die auffällig häufigen Bezugnahmen auf mythische, religiöse und literarische Bildfelder in der Beschreibungspraxis der zugleich faszinierenden und bedroh- lichen Atomwaffendetonationen wurzeln laut Stölken-Fitschen im pathetischen, bildreichen Stil des offiziellen Berichterstatters des Manhattan-Project, des Wis- senschaftsjournalisten William Laurence, dessen Pathos „den Boden für alle nachfolgenden Berichte in den Medien [bildete], und dies weit über die Verei- nigten Staaten hinaus. Kaum jemand, der über die Bombe schrieb, glaubte fort- 100 Vgl. zur Groteske als Darstellungsmittel von Apokalypsen im Atomzeitalter: Raulff: Strahlun- gen, S. 85  f. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 326 8 Die atomare Bedrohung in der österreichischen Literatur
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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