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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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„Eine Genesis vom Ende.“158 Atomapokalypsen in fiktionaler Literatur Vor 1954 kommt das bis dahin „nur gering ausgeprägte Krisenbewußtsein die- ser Zeit“ im englischsprachigen Raum in einer „Unmenge sogenannter ‚survi- val‘-Geschichten zum Ausdruck, in denen tapfere Überlebende eines Atomkrie- ges in einer völlig veränderten, barbarisierten Umwelt mit verlorengegangenem Wissen (‚dark ages‘) Abenteuer erleben“.159 Die postapokalyptischen Szenarien entfernten sich dort oft von konkreten zeithistorischen Problemen. Für den Bereich der österreichischen Literatur ist hingegen festzustellen, dass postapo- kalyptische Szenarien nicht zu Unterhaltungszwecken entworfen werden, viel- mehr weisen diese Texte einen pazifistischen Impetus auf, der allerdings in unter- schiedlichen Graden von der konkreten historischen Situation abstrahiert. In Ulrich Bechers Roman kurz nach 4 wird die weltpolitische Lage keineswegs aus- geblendet, auch wenn es zunächst so scheint. Im fiktiven Aufsatz eines Kunst- kritikers wird über die Lithographienreihe „Die Mondzertrümmerer“ des Pro- tagonisten Zborowskys berichtet: Bald genug ist man raum-atomartilleristisch so potent, daß man den der Erde nächsten und sie umkreisenden Himmelskörper, unsren kleinen Mond mit seinem lausigen Durchmesser von 3500 Kilometern, zertrümmern kann. Und weil er keine Atmosphäre hat und darum nicht bewohn- und kolonisierbar ist, zertrümmert man ihn kurzerhand in Ausführung einer Operation Luna: weg damit! (KV 71  f.; kursiv im Orig.) Die Lithographienreihe zeigt, wie die Zerstörung des Mondes durch ein „radi- oaktives Miasma“ (KV 72; kursiv im Orig.) schließlich auch alles Leben auf der Erde auslöscht. Was wie eine weit hergeholte, pessimistische Atomapokalyp- sen-Phantasie klingt, ist auch als zeitnahe Kalte-Kriegs-Kritik lesbar, denn die Vorstellung einer Mondzertrümmerung mittels Atomwaffen wurde kurz nach Kriegsende in US-amerikanischen Zeitungen und Zeitschriften verbreitet. „Im September 1946, ein Jahr nach Hiroshima und Nagasaki, warnte der amerika- nische Publizist George  E. Pendray in der Zeitschrift Collier’s davor, dass sow- jetische Raketen die USA vom Mond aus angreifen könnten.“ 160 Ulrich Becher, der sich im September 1946 noch in New York aufhielt, hatte diese mit hoher Wahrscheinlichkeit gekannt.161 158 KV 74; kursiv im Orig. 159 Tzschaschel: Atomkriege in der Science-Fiction, S. 239. 160 Bernd Brunner: Mit der Bombe zum Mond. In: Zeit Online 5.11.2012, http://www.zeit.de/ zeit-geschichte/2012/03/atombombe-weltall-wettlauf [zuletzt aufgerufen 20.8.2015] 161 Becher hätte über den Atomkrieg vom Weltraum aus allerdings auch von bundesdeutschen „Eine Genesis vom Ende.“ Atomapokalypsen in fiktionaler Literatur 343
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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