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ellen Namen „Smerš“13 bereits Geheimdienste, die sie gegen das Hitlerregime
eingesetzt hatten. Der Informationskrieg, der während des Zweiten Weltkrieges
geführt wurde, ging fast nahtlos in den des Kalten Krieges über. Das galt beson-
ders für die Spionage in Österreich. War das Land bereits in der Zwischenkriegs-
zeit auffällig häufig im Fokus von Spionagetätigkeiten,14 so wurde es in den
Nachkriegsjahren zur vielzitierten „Drehscheibe“15 der geheimdienstlichen Akti-
vitäten zwischen den Kalten-Kriegs-Mächten. Laut James Jay Carafano war es
dazu prädestiniert, da es
1. durch seine Lage zwischen den Blöcken zur Anlaufstelle für Ostflüchtlinge
wurde,
2. durch die sowjetische Besatzung von Menschenraubfällen betroffen war, die
vermeintliche oder tatsächliche Spione und Spioninnen betrafen,
3. durch die mehrfache Besatzung zum Terrain von Auseinandersetzungen zwi-
schen Angehörigen unterschiedlicher Besatzungsmächte wurde und
4. die KPÖ und etwaige kommunistische Untergrundorganisationen vermeint-
lich eine Gefahr für den westlich-demokratischen Status Österreichs darstell-
ten.16
Die USA, aber auch Frankreich und Großbritannien, die ihre geheimdienstli-
chen Aktivitäten in Österreich zunächst auf den Nationalsozialismus als Gegen-
stand der Überwachung und Bekämpfung konzentrierten, schwenkten ab Mitte
1946 zunehmend auf ein neues Ziel um: die Sowjetunion und alle kommunisti-
schen und kommunismusnahen Organisationen.17
13 Informelle Bezeichnung für die „Hauptverwaltung für Gegenspionage des Volkskommissariats
für Verteidigung der UdSSR“ („Glavnoe upravlenie voennoj kontrarazvedki“), Abkürzung für
„smert’ špionam“ (Tod den Spionen). Vgl. Edda Engelke: Zum Thema Spionage gegen die Sow-
jetunion. In: Erwin A. Schmidl (Hg.): Österreich im frühen Kalten Krieg 1945–1958. Spione,
Partisanen, Kriegspläne. Wien [u.a.]: Böhlau 2000, S.
119–135, hier S.
121. Dieter Bacher, Harald
Knoll: Nachrichtendienste und Spionage im Österreich der Besatzungszeit. In: Stefan Karner,
Barbara Stelzl-Marx (Hg.): Stalins letzte Opfer. Verschleppte und erschossene Österreicher in
Moskau 1950–1953. Wien, Köln, Weimar: Böhlau 2009, S. 157–168.
14 Vgl. Siegfried Beer: Rund um den ‚Dritten Mann‘. Amerikanische Geheimdienste in Österreich
1945–1955. In: Schmidl (Hg.): Österreich im frühen Kalten Krieg 1945–1958, S. 73–99, hier
S. 73.
15 Beer: Rund um den ‚Dritten Mann‘, S. 73. Engelke: Zum Thema Spionage gegen die Sowjetuni-
on, S. 119. Stefan Karner, Barbara Stelzl-Marx: Vorwort. In: Dies. (Hg:): Stalins letzte Opfer,
S. 9–17, hier S. 9. Kid Möchel: Der geheime Krieg der Agenten. Spionagedrehscheibe Wien.
Hamburg: Rasch & Röhring 1997. Harald Irnberger: Nelkenstrauß ruft Praterstern. Am Bei-
spiel Österreich: Funktion und Arbeitsweise geheimer Nachrichtendienste in einem neutralen
Staat. 2. Aufl. Wien: Promedia 1983, S. 51.
16 Vgl. James Jay Carafano: Deconstructing U.S. Army Intelligence Operations in Postwar Aust-
ria: The Early Years 1945–1948. In: Schmidl (Hg.): Österreich im frühen Kalten Krieg 1945–
1958, S. 55–72, hier S. 69 f.
17 Vgl. Carafano: Deconstructing U.S. Army Intelligence Operations, S. 67 f.
Das Wissen vom Feind 353
Diskurse des Kalten Krieges
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Titel
- Diskurse des Kalten Krieges
- Untertitel
- Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20380-3
- Abmessungen
- 15.9 x 24.0 cm
- Seiten
- 742
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918