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Von Seiten sowjetischer Geheimdienste wurden immer wieder drakonische
Maßnahmen gegen all diejenigen ergriffen, die der Spionage genen die Sowjet-
union verdächtig wurden, auch wenn es sich um völlig harmlose Aktivitäten und
belanglose Informationen handelte.18 Auch die westlichen Geheimdienste zeig-
ten wenig Skrupel, die verarmte österreichische Bevölkerung in Gefahr zu brin-
gen, um an Informationen zu kommen. Weiters schreckten weder sowjetische
noch westliche Geheimdienste davor zurück, ehemalige und latente Funktionä-
re des Nationalsozialismus im Rahmen von Spionageaktionen zu engagieren.19
Der Spionagediskurs ist im Nachkriegsösterreich also einerseits auf das zeitge-
nössische Geschehen bezogen, andererseits bot sich Spionageliteratur als moder-
nes Genre spannungsreicher, handlungslastiger Unterhaltungsliteratur an, für
die große Nachfrage bestand. Die Thematik changierte also zwischen Fiktion
und Realität, genussvoller Lektüre und beängstigenden Erfahrungen.
Spionage als Unterhaltung
Achtung, Atomspione. Särge für Ohio20. Phantastischer Kriminalroman, Froschmän-
ner am Werk21 und Grasill der Spürhund22 lauten die Titel 3 bis 5 einer Heftro-
manserie,23 die von einem Autor mit dem Pseudonym Frank I. Noel stammen
und im Bergheimatverlag in Graz 1951 verlegt wurden. Der Serientitel lautet ab
dem 4. Band „Achtung! Atomspionage!“ und wird durch Paratexte gekennzeich-
net, die trivialliterarischen Konventionen entsprechen: „Aus der Frank I.
Noel-Atomspionage-Produktion!“ und „Spannung! Sensation! Romantik!“ ver-
kündet etwa das Titelblatt von Grasill der Spürhund: „Achtung, Achtung! Unse-
re Serie an phantastischen Kriminalromanen geht weiter: Im nächsten Heft lesen
Sie / Froschmenschen am Werk“ verspricht ein Verlagskommentar am Ende von
Achtung, Atomspione. Särge für Ohio. Der fünfte Band kündigt schließlich die
Titel der Bände 6–21 an, die niemals erschienen sind, wie etwa Band 7: Gift aus
Mondicella, Band 11: Todesstrahlen, Band 12: Alles um Uranerz, Band 15: Spezi-
alagent Klee, Band 17: Kernphysik und Tod etc.
18 Vgl. Karner, Stelzl-Marx: Vorwort.
19 Vgl. Beer: Rund um den ‚Dritten Mann‘, S.
88
f. Tozzer, Tozzer: Das Netz der Schattenmänner,
S. 104–122.
20 Frank I. Noel: Achtung, Atomspione. Särge für Ohio. Phantastischer Kriminalroman. Graz:
Bergheimatverl. 1951 [im Folgenden abgek. SO].
21 Frank I. Noel: Froschmänner am Werk. Graz: Bergheimatverl. 1951 [im Folgenden abgek.
FAW].
22 Frank I. Noel: Grasill der Spürhund. Graz: Bergheimatverl. 1951 [im Folgenden abgek. GS].
23 Die Hefte sind zwischen 43 und 48 Seiten stark.
Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR
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Diskurse des Kalten Krieges
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Titel
- Diskurse des Kalten Krieges
- Untertitel
- Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20380-3
- Abmessungen
- 15.9 x 24.0 cm
- Seiten
- 742
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918