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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Eigentlich wußte man erst soviel, daß die Atomspionage, die in so großem Stil be- trieben wurde, nicht von Rußland ausging. Die Sonderbeauftragten im U. S. Foreign Office bekamen unter der Wucht der auf sie eindringenden Akten den Eindruck, daß eine geheime, und zwar ‚Private Macht‘ an der Aufklärung und Aneignung sämtlicher Atomforschungsgeheimnisse interessiert war. Und diese private Macht mußte über unermeßliche Geldreserven verfügen. Nachdem die F.O.-Sonderbeauf- tragten festgestellt hatten, daß Rußland in diesen Fällen nicht die Hand im Spie- le hatte, da sich Rußland nur für ein bestimmtes Gebiet der Uran- und Plutoni- um-Forschungen interessierte, dachte man zuerst, daß ein geheimer Bund verirrter und unentwegter ehemaliger Nazis und Kriegsverbrecher diese Organisation auf- gebaut hätten. Aber nach gründlichem Studium dieser Thematik kam man davon ab. Die Deutschen kamen dafür nicht in Frage. Die lasen Schiller und Goethe oder beschäftigten sich mit Reminiszenzen aus der Zeit der 1000 Jahre; aber sie waren nicht mehr in der Lage, weltbedrohende Organisationen aufzustellen. (FAW 10  f.) Wo nicht Russland als feindliche Macht auftritt, könnten es die Nazis sein, doch auch diese Festlegung im Bezug auf zeithistorische politische Konstellationen unterlässt die Romanreihe, die so offensichtlich politisch ungebunden zu blei- ben versucht. Die Vorankündigung des geplanten sechsten Bandes, der den Titel Die Sklavenbrigade trägt, stellt allerdings einen überraschend expliziten Bezug zur Zwangsarbeit in den sibirischen Lagern her: Grasill wurde verschleppt. [...] Richtung Osten. Aber keine Russen. Es sind An- gehörige einer dritten Macht. [...] [E]r soll für die dritte Macht arbeiten, die die von einer zweiten Macht mißbrauchten Sklaven befreien will. [...] Er erlebt die Einsamkeit Sibiriens und sieht die modernen Sklaven. (FAW 46) Diese grobe Handlungsskizze endet damit, dass Grasill sich weigert, in die Kämpfe zwischen zweiter und dritter Macht verwickelt zu werden, worauf er seines Gedächtnisses beraubt und in der Wildnis ausgesetzt wird. Einen Band später wurde Die Sklavenbrigade erneut angekündigt, allerdings verkündet der Kommentar: „Voranzeigen! Etwas geändert!“ (GS 43), nämlich in eine vollkom- men andere Handlung. Im Zentrum der Sklavenbrigade steht nun ein Atomphy- siker, den „tödlicher Vernichtungswille beherrscht“ und der über ein geheimes Forschungslabor und eine unterirdische Funksendestation verfügt, die mit „allen Spionagegruppen in aller Welt“ in Verbindung steht. Von der ersten Version, die auffällig nah an eine Kritik der sowjetischen Gulags herankam, wendet Wie- singer sich damit abrupt ab, um ein politisch unverfänglicheres Thema zu wäh- len. Er greift dabei zu einem konventionellen Feindschema des Genres, das im zeitgenössischen Kontext weniger Brisanz besaß: „the master criminal with an Spionage als Unterhaltung 361
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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