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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Reinhard Federmann wie etwa Und einer folgt dem anderen (1953) und Die Aben- teuer des Herrn Rafaeljan (vor 1963),57 die zwar deutliche Merkmale des Unter- haltungsgenres aufweisen, zugleich aber eine teils parodistische, teils historisch informierte, reflexive Ebene enthalten. Diese Beispiele einer ‚doppelbödigen‘ Unterhaltungsliteratur werden noch zu besprechen sein. Zunächst soll aber auf Texte eingegangen werden, welche die Spionagethematik mit moralischem oder politischem Anspruch kritisch in den Blick nehmen. Dabei rückt vor allem die Dimension der emotionalen Qualitäten Angst und Aggression in den Fokus, die ihre historische Entsprechung in drohenden Verhaftungen und Hinrichtungen im Zusammenhang mit Spionage hatten. Feindbild ‚Spion‘ – Ängste und Aggressionen im Spionagediskurs Nicht zufällig nennt sich der Stalin direkt unterstehende militärische Spionage- abwehrdienst der Sowjetunion ‚Smerš – Tod den Spionen‘.58 In Österreich wur- den von der sowjetischen Besatzungsmacht in den ersten zehn Nachkriegsjahren etwa 2200 Personen unter ‚Spionageverdacht‘ festgenommen, 1000 von ihnen wurden zu meist langjährigen Haftstrafen in der Sowjetunion verurteilt, 104 zum Tod.59 Auch Ernst Fischer nennt in seiner Tirade gegen jene „angefaulten, wurmstichigen, abenteuerlichen Existenzen“, jenen „aufgewühlten Schlamm einer untergehenden Welt“, die nur durch Zwang zur Arbeit angehalten werden können und die deshalb Zwangsarbeitslager auch in Österreich rechtfertigen, unter anderem auch „Spione“.60 Die großen, als „Säuberungen“ titulierten Ver- nichtungswellen in der Sowjetunion wurden in vielen Fällen vom Urteil „Spio- nage“ begleitet.61 Zugleich setzte die Führung der Sowjetunion selbst massive 57 Der Text soll laut Dor „unter dem Titel ‚Abenteuer im nahen Osten‘ in der Grazer Zeitung ‚Neue Zeit‘ in Fortsetzungen abgedruckt [worden] und erst zwei, drei Jahre später als Taschen- buch“ – damit ist die Ausgabe von 1963 im Signum-Verlag gemeint – erschienen sein. Vgl. Milo Dor: Nachwort. In: Milo Dor, Reinhard Federmann: Und wenn sie nicht gestorben sind  ... . Wien: Picus 1996, S.  201–203, hier S.  203. Bei einer Prüfung der Jahrgänge 1958–1961 konnte der Abdruck des Romans nicht ermittelt werden. Gefunden werden konnte von Dor, Feder- mann nur der Roman Othello von Salerno, der zwischen dem Heft 248 vom 28.10. und dem Heft 298 vom 28.12.1958 (14.  Jg.) in der Neuen Zeit. Unabhängig [Graz] erschien. 58 Vgl. Andrew, Mitrochin: Das Schwarzbuch des KGB, S. 195. 59 Vgl. Karner, Stelzl-Marx: Vorwort, S. 11. 60 Alle Zitate: Fischer: T[age] B[uch] diskutiert: Sprechen wir von den Konzentrationslagern!, S.  4. 61 Das galt besonders für Österreich: „Bei den Todesurteilen, die sowjetische Tribunale gegen Österreicher verhängten, dominierte eindeutig der Artikel  58-6 (‚Spionage‘) des Strafgesetz- buches (UK) der RSFSR. Ähnlich wie bei der Verurteilung von Deutschen spielte er ab 1950 in beinahe 90 Prozent der Fälle die entscheidende Rolle.“ Stelzl-Marx: Verschleppt und erschos- Feindbild ‚Spion‘ – Ängste und Aggressionen im Spionagediskurs 365
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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