Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Seite - 375 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 375 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

Bild der Seite - 375 -

Bild der Seite - 375 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

Text der Seite - 375 -

Gegenmaßnahmen. In Bechers fiktiver Diktatur Quion wird die Bevölkerung zur Denunziation angehalten, werden Unschuldige verhaftet und ohne stichhal- tige Beweise verurteilt und hingerichtet (vgl. KG 345  f.). Als charakteristisch für eine moderne Diktatur zeichnet Becher nicht nur die willkürliche und massen- weise Verfolgung und Hinrichtung von ‚Spionen‘, sondern vor allem die Para- noia des Diktators, der den Anführer seiner Leibgarde zu einer irrationalen Aus- weitung der Maßnahmen zu seinem persönlichen Schutz auffordert. Bilden Sie sich ein, daß ich populär bin bei den indischen, russischen, amerikani- schen, deutschen, chinesischen, britischen Geheimagenten und Zinnoberspionen oder beim quionischen Untergrund? [...] Mit dem [Sechsten Sinn] s-p-ü-r-e ich, daß hier an Ort und Stelle in meiner Residenz Quion City und unter den Augen der Anonymen Zivilgarde eine un-ter-ir-di-sche Be-we-gung ge-gen mich w-ü- h-l-t. (KG 301) Becher interpretiert diesen ‚inneren Feind‘ des Diktators als dessen Gewissen, vor dem er sein geheimes Wissen nicht verstecken kann. Deshalb, so die Pointe, wird die Angst des Diktators vor Entdeckung nie zur Ruhe kommen. Bechers Posse führt die Spionagethematik auf eine im Kalten Krieg zentrale Praktik zurück: die Geheimhaltungsversuche strategischer Wissensbestände zum Zweck des Machterhalts und des Machtgewinns. Schon im Zweiten Weltkrieg wurden militärische Ressourcen und Strategien zu begehrten Informationen über den Feind. Darum gehörte es in den ersten Nachkriegsjahren zu den pri- mären Aufgaben der westlichen Besatzungsmächte, „Informationen über die deutsche Rüstungstechnologie“76 zu sammeln. Die Kleinen und die Großen zeigt die strukturelle Kontinuität zwischen unterschiedlichen Regimen, die unter dem Stichwort ‚Spionage‘ eine Kategorie feindlicher Aktivität identifizieren, die Effekt einer paranoiden Staatsführung ist und staatlichen Terror auslöst und scheinbar legitimiert. Der unsichtbare Spion Die Figur des Spions lässt sich als personifiziertes Geheimnis bezeichnen und deshalb zugleich als personifiziertes Unheimliches. Sie wirkt unauffällig, ist aber tatsächlich ein gefährlicher Gegner des jeweiligen Systems. Zugleich bedingt ihr unauffälliges Äußeres, dass der Spion auch als bloßes Phantasma oder Projekti- on auftreten kann. In den angloamerikanischen Cold War Studies wird dieses Phänomen häufig thematisiert; besondere Bedeutung kommt dabei der Unsicht- 76 Bacher, Knoll: Nachrichtendienste und Spionage, S. 158. Feindbild ‚Spion‘ – Ängste und Aggressionen im Spionagediskurs 375
zurück zum  Buch Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur"
Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Diskurse des Kalten Krieges