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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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verwerteten,87 so etwa für den Kriminalroman Und einer folgt dem anderen88, der 1953 im Nürnberger Nest-Verlag, der sich auf den modernen amerikani- schen Krimi spezialisiert hatte, erschien. Ein ideales Umfeld also für die beiden Wiener Thriller-Autoren.89 In der etwas kompliziert konstruierten Geschichte geht es um ein militärisches Geheimdokument aus dem Zweiten Weltkrieg, die Anleitung für eine Raketenzielvorrichtung, die angeblich die Nationalsozialis- ten bauen wollten. Schieber, Zwischenhändler, Agenten des französischen und des sowjetischen Geheimdienstes und der Journalist Alex Lutin, der Protagonist des Buches, jagen dem Dokument hinterher. Dabei folgt ein Agent dem ande- ren, eine Bluttat der nächsten. Keiner weiß genau, worum es geht, aber die para- noide Atmosphäre des Kalten Krieges lässt alle Spektakuläres vermuten und treibt sie zur skrupellosen Übervorteilung ihrer Gegner an. Die Pointe des Rom- ans folgt am Schluss: Das von allen gesuchte Dokument ist nur ein unbrauch- barer Entwurf des US-amerikanischen Geheimdienstes, der während des Zwei- ten Weltkrieges dem deutschen Geheimdienst zugespielt wurde, um ihn zu täuschen. Eine Fälschung also. Dor und Federmanns Thriller ist eng in die zeitgenössischen Mediendiskur- se verwoben. Am Ausgangspunkt der Verfolgungsjagd durch das besetzte Öster- reich steht nämlich ein Mord an einer Wiener Geschäftsfrau, der auf den ersten Blick als „Lustmord“ erscheint, bis die wahren, geheimdienstlichen Hintergrün- de entdeckt werden. Bis in kriminalistische Details haben Dor und Federmann hier „einen der sensationellsten Kriminalfälle“90 der Besatzungszeit zum Vor- bild genommen, nämlich den als „Badewannen-Mord“ titulierten Mord an der Fabrikantin Blanche Mandler in ihrer Wiener Wohnung am 8. November 1949, über den damals in den Zeitungen ausführlich berichtet wurde.91 Bemerkenswert ist dabei, dass schon die Arbeiter-Zeitung Ende 1949 eine Verbindung zwischen dem Mordfall Mandler und ausländischen Geheimdienst- aktivitäten herstellt, konkret zu dem „zweiten geheimnisvollen Verbrechen, das dieses Jahr begangen wurde, der Bluttat an dem Nachrichtenagenten Witt“ am 14. November 1949 in der Nähe von Innsbruck. Der Blattaufmacher am 29. Dezember 1949 lautete „Blanche Mandler – ein Spionagemord?“. Im Fall Witt ging es um die Pläne für ein optisches Zielgerät für Jagdflugzeuge, das von 87 Dor: Nachwort. Und einer folgt dem anderen, S. 188. 88 Milo Dor, Reinhard Federmann: Und einer folgt dem anderen. Kriminalroman. Wien: Picus 1995, S.  175. Diese ist vergriffen und war uns nicht mehr zugänglich, weshalb aus einer späte- ren Ausgabe zitiert wird [Im Folgenden abgek. EFA]. 89 Vgl. zum Folgenden Stocker: Jenseits des „Dritten Mannes“, S. 112. Zu diesem Thema siehe auch dieses Kapitel: Agententhriller und Zeitkritik  I Internationale Zone / Und einer folgt dem anderen. 90 Arbeiter-Zeitung, 29.12.1949, S. 2. 91 Arbeiter-Zeitung, 15.1.1950, S. 3. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 380 9 Spionage
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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