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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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kehrt“.96 Der Ganove Georgi Maniu aus Dor/Federmanns Roman Internatio- nale Zone erklärt das mit den gleichen Worten: Wien ist ein offenes Tor. Das letzte offene Tor zwischen Ost und West. Weißt du, warum es hier so ruhig ist? Weil sie hier verdienen. Zigaretten  ...  das ist nur ein winziger Bruchteil. Öl, Eisen, Stahl, Textilien. Alles, was dein Herz begehrt. Schnaps, Medikamente. Devisen machen sie hier für ihre Panzer und für ihre Ka- nonen. (IZ 92) In Und einer folgt dem anderen heißt es dazu: „Sie wissen, welche Rolle neutrale Länder in weltumfassenden Kriegen spielen – [...] Es sind die idealen Terrains für die Arbeit der Nachrichtendienste, die Tummelplätze der Agenten.“ (EFA 173) Durch seinen Status als geteiltes bzw. später neutrales Gebiet und den florieren- den Schwarzmarkt wurde Österreich in der Nachkriegszeit zum Umschlagplatz für Informationen und Güter aller Art. Auch Maniu schaltet sich in dieses „Spiel“ (IZ 89, 92) ein, denn er sagt sich: „Warum sollen alle verdienen, nur ich nicht?“ (IZ 93) Wie der Großteil der Figuren in den Thrillern Dor/Federmanns versucht er in einer Zone, die von gegenseitiger Übervorteilung, Gewaltanwendung und intensivierten Machtkämpfen geprägt ist, durch den Einsatz entsprechender Mit- tel selbst zu Macht und Vermögen zu kommen. Zu diesem Zweck nimmt Maniu auch in Kauf, Personen an die sowjetische Besatzungsmacht auszuliefern. Dor und Federmann kritisieren durch ihre Thriller jenes „Faustrecht fremder Besetzung“,97 das auch die Arbeiter-Zeitung anprangert. Ihre Agententhriller erschöpfen sich aber nicht in einer spannenden Handlung, sondern sie betonen einen Aspekt, der besonders im Hard-boiled-Thriller, ihrem erkennbaren ästhetischen Vorbild, stär- ker hervortritt, die „Verfilzung [des Verbrechens] mit Politik und Geschäft“,98 und so fügen sie ihren Texten eine zeit- und gesellschaftskritische Dimension ein. Die Wahl dieses massentauglichen und finanziell verwertbaren Genres ist aller- dings nicht zufällig. Die beiden Autoren fanden mit ihren ambitionierteren lite- rarischen Projekten im Nachkriegsösterreich nur mühsam Verlagsmöglichkeiten99 96 Ebd. 97 N.N.: Exterritoriale Unterwelt, S. 1. 98 Peter Nusser: Der Kriminalroman. 4.,  aktual. u. erw. Aufl. Stuttgart, Weimar: Metzler 2009, S.  126. 99 Vgl. Stocker: Jenseits des „Dritten Mannes“, S. 108. Federmanns Roman Chronik einer Nacht, der von den Schicksalen eines getrennten österreichischen Paares in den Jahren 1938 bis 1948 erzählt, erschien ab 2.  Dezember 1950 in der Arbeiter-Zeitung und erst posthum 1988 in Buchform. Dors autobiographisch grundierter Roman über die faschistische Unterdrückung der Bevölkerung in Jugoslawien Tote auf Urlaub erschien zwar 1952 in der Deutschen Verlag- sanstalt, wurde aber zuvor mehrmals abgelehnt. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 382 9 Spionage
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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