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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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10 FEINDBILDER – KRANKHEITSBILDER sehr geehrter herr weigel! [...] sie waren eigentlich der einzige, der wirklich entschie- den dafür eingetreten ist, dass man alle diese zersetzenden Verbindungen mit dem osten unterbindet. [...] ich bin ganz mit ihnen der meinung, dass man die sogenannte breite Masse nicht genügend vor infektionen schützen kann.1 Straf-, Sonder-, Arbeitslager. ‚Und noch immer sind sie nicht geheilt‘ – (AT 342) Feind = Krankheit Die Metapher der Krankheit für politische Bewegungen oder gesellschaftliche Gruppen hat eine lange Geschichte,2 in der die Vorstellung von deren krank machender oder schwächender Wirkung Maßnahmen von ideologischen Kreuz- zügen bis zur physischen Vernichtung legitimierte. Diese Geschichte reißt im Kalten Krieg nicht ab. In Bertolt Brechts Buch der Wendungen (1934–1947), das nach dem Muster philosophischer Schriften aus China aus einzelnen Parabeln und Aphorismen aufgebaut ist, bereist die Philosophenfigur Me-ti ein Land namens Su, das vor einem großen Krieg steht. Brecht selbst bereiste die Sowje- tunion zwischen dem 4. und 13.  Juni 1941, also 9 Tage, bevor die Deutsche Wehr- macht einfiel. Angesichts der Situation am Vorabend des Krieges expliziert Brecht in der Parabel Besser Fehler zu billigen als Fehler zu rechtfertigen3 eine Denk- weise, die klare Linien zwischen Freund und Feind aufrichtet und die Bereit- schaft zur Gewalt gegen den so identifizierten Feind legitimiert: Als Me-ti durch Su fuhr, erwartete das Land einen großen Krieg. Zahlreiche Ver- haftungen waren durchgeführt worden, da der Verein spürte, daß Feinde in sei- nem Innern am Werk waren. [...] Daß die Behörden nicht imstande waren, die 1 Karl Wiesinger an Hans Weigel, Brief vom 23.5.1962, Wienbibliothek, Nachlass Hans Weigel, Archivmappe  38. Die Interpunktion wurde für das vorliegende Zitat normalisiert. 2 Elisabeth Prinz: Im Körper des Souveräns. Politische Krankheitsmetaphern bei Arthur Koest- ler. Wien: Braumüller 2011, S.  86–97. 3 Brecht verwendet die Metapher des Chirurgen an anderer Stelle auch für die faschistische Staatsgewalt. „Es ist wie mit dem Chirurg, er braucht den Kranken, damit er operieren kann, insofern ist er unselbständig, [...] in einem modernen Staat ist es ebenso; die Hauptsach [sic!] ist der Führer oder Duce, aber sie brauchen auch Leut zum Führen.“ Bertolt Brecht: Flücht- lingsgespräche [1940–1942]. In: Ders.: Werke, Bd.  18, Prosa  3, Sammlungen und Dialoge. Bearb. v. Jan Knopf [u.a.]. Berlin, Weimar: Aufbau, Frankfurt/M.: Suhrkamp 1995, S.  197–327, hier S.  197  f., vgl auch S.  199.
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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