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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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und was sie über die politischen Ziele und Methoden aussagen, die ihnen zugrun- de liegen. Der „Knochenfraß“ des Totalitarismus 1956 erscheint in der Zeitschrift Forvm die Novelle Nichts leichter als das11 von Friedrich Torberg. Wie in Die zweite Begegnung (1950) ist der Protagonist ein tschechischer Flüchtling, der aufgrund der kommunistischen Machtergreifung in Prag emigriert und zuvor bereits als KZ-Häftling Erfahrungen mit der Gewalt des nationalsozialistischen Regimes machen musste. Im Westen angekommen, erzählt er im Rückblick eine Geschichte aus seinem Leben im Kreis von anderen Emigranten. Dieser Handlungsrahmen stellt ein traditionelles Gattungselement der Novelle dar, das Torberg hier wohl nicht zufällig aufnimmt, da politische Ereignisse und Krankheiten zu den berühmtesten Gründen für Emigration zäh- len. In Johann Wolfgang Goethes programmatischer Novellensammlung, Unter- haltungen deutscher Ausgewanderten (1795/96) flüchten die Figuren der Rah- menhandlung aufgrund der Französischen Revolution, in Boccaccios Il Decamerone (1949–1953) ist die Pest der Grund. Zu den gattungsgeschichtlichen Merkmalen der Novelle zählt auch die Organisation des Erzählten um ein cha- rakteristisches Einzelmotiv, im Fall von Nichts leichter als das ist das ein Taschen- tuch. Der Protagonist Dr.  M.12 scheint an „einem nervösen Tick“ (NL 453) zu lei- den, da er immer wieder „mit einer sonderbar fahrigen Handbewegung an eine seiner Anzugtaschen griff, von außen her, manchmal auch mit beiden Händen nach zwei Taschen zugleich“. Die anderen aus der Runde schreiben dieses ‚ner- vöse‘ Verhalten dem „Druck“ und der „Drangsal“ zu, unter dem der „scharf antitotalitäre“ (alle ebd.) Dr.  M. während der NS- und der KP-Herrschaft gelit- ten hatte, denn es wird als sehr naheliegend angenommen, dass Diktaturen bzw. politische Verfolgung Nervenschäden bedingen. 11 Friedrich Torberg: Nichts leichter als das. In: Forvm 3 (1956) H. 36, Dezember, S. 453–458 [Im Folgenden abgek. NL]. (Auch in: Hermann Kesten (Hg.): Unsere Zeit. Die schönsten deutschen Erzählungen des zwanzigsten Jahrhunderts. Berlin, Köln: Kiepenheuer & Witsch 1956. Darin sind viele österreichische Autoren vertreten: Musil, Roth, Hofmannsthal, Rilke, Schnitzler, Kafka, Horvath, Aichinger, Neumann, Lernet-Holenia, Eisenreich.) 12 Auch in Goethes Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten werden Figurennamen teilweise mit einzelnen Buchstaben abgekürzt: „Baronesse von  C.“, „Geheimrat von  S.“. Johann Wolfgang Goethe: Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten. In: Ders.: Sämtliche Werke, Bd.  4.1, Wir- kungen der Französischen Revolution 1791–1797, I. München: Hanser 1988, S.  436–550, hier S.  436 und 440. Ebenso verhält es sich auch mit den Personenbezeichnungen in der Rahme- nerzählung von Wielands Das Hexameron von Rosenhain. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 400 10 Feindbilder – Krankheitsbilder
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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