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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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der nationalsozialistischen Hetzpropaganda aber direkt auf bestimmte Personen („Juden“) bezogen wird, wirkt im Falle Dr.  Ms die depersonalisierte politische Situation auf die Nerven des Subjekts. Von kommunistisch gesinnten Personen als „Bazillen“ etwa ist nicht die Rede; sie erscheinen eher als Krankheitsträger. Dr.  M. erzählt weiter, dass er bereits 1933 nach der Machtergreifung der Natio- nalsozialisten in Deutschland erste körperliche Abwehrmechanismen gegen das totalitäre Regime entwickelte, die sich nun unter der kommunistischen Herr- schaft wiederholen: Ähnlich wie Magenkranke eine bestimmte Art von Speisen nicht zu sich nehmen können, ohne sich zu erbrechen, vertrug ich eine bestimmte Art von Gesinnungslosigkeit nicht mehr [...]. Das neue Buch eines Schriftstellers, auf des- sen Lektüre ich sehnsüchtig gewartet hatte, blieb ungelesen, weil dieser Schrift- steller sich plötzlich zum Aushängeschild einer von den Kommunisten aufgezo- genen Aktion hergab. (NL 457) Die NS-Propaganda operierte mit Metaphern, die eine eindeutiger instrumen- talisierbare Argumentationslogik aufweisen: Kranke bzw. „schädliche“ Indivi- duen wurden dort einem prinzipiell gesunden Gemeinwesen gegenübergestellt und zur Zielscheibe von Gewalt. Die Metapher vom „Magenkranken“ impliziert dagegen, dass es der Zustand des Gemeinwesens, die herrschenden Verhältnis- se und der Opportunismus vieler sind, die beim Individuum die Krankheits- symptome auslösen. Die persönliche Symptomatik führt Dr.  M. auf eine Krank- heit der gesamten Gesellschaft zurück, die sich gerade auf das „Innerste“ und „Intimste“, die persönlichen Verbindungen unter Privatpersonen bezieht: Diese Krankheit, von der ich sprach, dieser tödliche Zersetzungsprozeß, der uns alle ergriffen hat – ich nenne ihn den politischen Knochenfraß. Unser ganzes Le- ben ist von ihm verwüstet. Er hat sich an unser Innerstes, an unser Intimstes her- angefressen und bis in unsre Eingeweide hinein. (NL 456) Der Grund dafür ist das Aufkommen totalitärer Regime, die Feindbilder her- stellen und Dissidenten verfolgen: Ein jeder von Ihnen wird vermutlich andre Erinnerungen an den Beginn der Er- krankung haben. Ich selbst nahm die ersten Symptome um 1933 wahr, zur Zeit des Nazi-Umschwungs in Deutschland. Damals, als die politischen Spannungen sich immer mehr verschärften und als es immer klarer Farbe zu bekennen galt Dachs 1995, S.  202. Das Schlagwort der „Zersetzung des Volkskörpers“ im NS erwähnt auch Schäfer: Heil bei Hitler, S.  178. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 402 10 Feindbilder – Krankheitsbilder
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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