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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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terisiert, dass es als aufstrebendes Volk per se nicht den Zielen des Kapitalismus dienstbar sein kann. Darum braucht Sherman die Vermittlerfigur Malabranca, der für einen 30-Millionen-Dollar-Kredit die jugoslawische Armee gegen die Sowjetunion führen soll (vgl. GV 55). Malabranca fügt sich den Bedingungen Shermans, jedoch unterliegt er schließlich im – ideologisch platten – Finale des Dramas seinem ‚Volk‘, das von seiner Tochter Marina im Widerstand gegen die Verbündung mit den Westmächten angeführt wird. Die Assoziation des Westens mit Begriffen wie Dekadenz, Endzeitstimmung, Fäulnis und Ansteckungsgefahr vertritt Fischer auch in einem lyrischen Text mit dem Titel Abendländische Rhapsodie, der im selben Jahr wie Der große Ver- rat erschien: Ein frecher Troß von Stehern und von Hehlern, von Huren, Beutelschneidern, ausgekotzt, aus blutigen Gossen, eiternden Spitälern, der kranken Zeit, wie Rotz und Räude, strotzt, schmarotzt an fetten Tellern, prallen Flaschen, und wenn der Fraß, der Wein sie übermannt, mit leeren Köpfen und mit vollen Taschen und rülpsend retten sie das Abendland.44 Insbesondere die folgende Strophe nimmt die Thematik von Der große Verrat vor- weg, da der Verkauf des Volks mit dem Verkauf der Frau parallel geführt wird: Geduckt im Schatten edler Kathedralen Verkauft ein Kuppler seiner Töchter Scham Und seiner Söhne Blut den Generalen Des Kalten Krieges, der wie ein Geier kam, Den Rest des großen Sterbens auszuweiden. Auf Trümmerhaufen thront der Spekulant Und weiß in falschen Prunk die Schmach zu kleiden Des frechen Schachers um das Abendland. Das „Abendland“ wird der Argumentationslogik Fischers zufolge skrupellos, da es seinen Untergang mit allen Mitteln hinauszögern will und dabei keine mora- lischen Rücksichten mehr nimmt. Zugleich bedinge diese Skrupellosigkeit auch den Untergang ihrer Agenten, da das Volk die Unmoral bekämpfen würde. Das Bild dieses wehrhaften Volkes bildet den Schluss sowohl von Fischers Der große Verrat als auch den seines Dramas Die Brücken von Breisau (1952) und von 44 Ernst Fischer: Abendländische Rhapsodie. In: Tagebuch 5 (1950) H. 5, 4.3.1950, S. 6. Feind = Krankheit 411
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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