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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Seite - 416 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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Unser gesundes und unverdorbenes Volk duldet nicht länger eine lebensferne und widernatürliche Kunst ... Diese entartete Kunst ist Destruktion, hervorgegangen aus dem destruktiven Marxismus, diesem Todfeind alles Natürlichen und Völ- kischen ... wir werden von jetzt ab einen unerbittlichen Säuberungskrieg führen gegen die letzten Elemente unserer Kulturzersetzung!59 Die Säuberungsmetapher wird auf diese Weise diffamiert, die Gesundheitsideo- logie entlarvt. Fischer wendet sich damit gegen ein lange Zeit selbst gehandhab- tes Instrumentarium der propagandistischen Rhetorik. ‚Amikäfer‘ Die Frage von Krankheitskeimen und Schädlingen kann freilich auch ganz wört- lich verstanden werden. In den Propagandaschlachten des Kalten Krieges tauch- ten immer wieder Vorwürfe auf, dass die eine Seite die andere bewusst verseu- chen wolle.60 Man beschuldigte in der sowjetisch besetzten Zone Deutschlands etwa während der Zeit der Luftbrücke die USA, Ernteschädlinge – Kartoffelkä- fer, sogenannte Colorado Beetles – aus Flugzeugen über dem Gebiet der SBZ abzuwerfen. Brecht verfasste zu diesem Anlass ein Gedicht, das eine Hungersnot in Ostdeutschland mit den „Ammifliegern“ in Zusammenhang bringt.61 In Milo Dor und Reinhard Federmanns Romeo und Julia in Wien (1954) macht sich ein US-Journalist über das Zerrbild lustig, das in der Sowjetunion von den Ameri- kanern herrsche. Dort meine man, dass die amerikanischen Kinder mit Kartof- felkäfern spielen würden – einer gefährlichen Waffe gegen den Osten (vgl. RJW 37). Die angebliche Gefahr der Ernteschädigung durch den Kartoffelkäfer, der von militärischen und politischen Feinden absichtlich platziert wird, wurde frei- lich schon im Ersten und Zweiten Weltkrieg propagandistisch eingesetzt.62 59 Fischer: Kunst und Koexistenz, S. 174. 60 Auch im Drama des weitgehend unbekannten Autors Hermann Weiner Zwischen den Fronten (UA: Anfang 1958, Tribüne Wien) wird das hohe Interesse der beiden Großmächte des Kalten Krieges und früher bereits des NS-Regimes an der Entdeckung eines tödlichen und hoch anste- ckenden Bazillus durch einen Bakteriologen dargestellt. 61 Darin heißt es: „Mutter, ich bin hungrig. / Wie lang ist’s zur Jause hin? / Mutter, ich weiß nicht / Warum ich so hungrig bin. / Die Ammiflieger fliegen / Silbrig im Himmelszelt: / Kartoffelkäfer liegen / In deutschem Feld.“ Bertolt Brecht: Die Ammiflieger [1.  Halbjahr 1950]. In: Ders.: Wer- ke, Bd.  15, Gedichte und Gedichtfragmente 1940–1956. Bearb. v. Jan Knopf [u.a.]. München, Weimar: Aufbau, Frankfurt/M.: Suhrkamp 1993, S.  218. Vgl. auch Kommentar. In: Ebd., S.  443. 62 Vgl. Sonderausstellung des Schulmuseums Lohr am Main vom 31.10.2010–6.3.2011, „Der Amikäfer“. Der Kartoffelkäfer – auch ein Medium der politischen Propaganda [Dokumentati- onsseite mit Bildmaterial]. http://www.bnmsp.de/home/e.huber/amikaefer/ [zuletzt aufgerufen 25.8.2015]. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 416 10 Feindbilder – Krankheitsbilder
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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