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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Seite - 417 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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In Österreich wurde die Debatte über die Verbreitung von biologischen Kampf- waffen durch die US-Armee besonders in den Jahren des beginnenden Korea- krieges geführt.63 Die kommunistische Schriftstellerin Eva Priester schildert in einer Propagandabroschüre ein Panorama der Grausamkeit, das die nordkore- anische Zivilbevölkerung als schuldloses Opfer von Angriffen des US-Militärs zeigt. Der Bakterienkrieg ist ein wichtiger Bestandteil dieser Darstellung: Vor einigen Monaten haben die Amerikaner begonnen, gegen die Zivilbevölke- rung Koreas, gegen die Frauen und Kinder des Landes, noch eine neue Waffe an- zuwenden – Bakterien, die systematische Verbreitung von Epidemien unter der Zivilbevölkerung. Es handelt sich um Blatternepidemi- en.64 Priester lässt eine Frau aus dem Volk anklagen: „Die Amerikaner haben unsere Städte zerstört! Sagt uns, warum wollen sie jetzt unsere Kinder mit Krankheiten umbringen?“65 Wenn Hygiene krank macht … Einige Literaturschaffende der Nachkriegszeit stellten sich der schwierigen, aber nahe liegenden Aufgabe, die fatale Wirkung der menschenverachtenden Gesund- heitspolitik im Nationalsozialismus sprachlich zu gestalten und der Reflexion zugänglich zu machen. Andere stellten die massiven schädigenden und tödli- chen Wirkungen des Krieges – insbesondere im Atomzeitalter – in den Fokus der politischen Kritik. Der Vorwurf der Schädigung wird so auf politische Regi- 63 Vgl. folgendes Propagandaplakat: Österreichischer Friedensrat (Hg.): „Prof. Heinrich Brand- weiner spricht über den Pestkrieg in Korea, Samstag, den 19.  April 1952, um 19.30 Uhr im Wiener Messepalast“. Wien: Globus 1952. Brandweiner wurde in Österreich daraufhin von antikommunistischer Seite scharf angegriffen. Das Tagebuch hielt dagegen: „Heute ist für die amerikanisch gedrillte Presse Österreichs der amerikanische Bakterienkrieg in Korea die lau- sige Erfindung eines Brandweiners, der für […] Marianne Pollak [Oscar Pollaks Frau, SPÖ-Po- litikerin] nach ‚USIA-Schnaps‘ riecht.“ Viktor Matejka: Ein Beitrag zur österreichischen Auf- erstehung: Die Nervosität der Kalten Krieger. In: Tagebuch  7 (1952) H.  8, 12.4.1952, S.  1. Vgl. auch Fischers Leitartikel zu dem Thema: Herr General! Herr Minister! Die Wahrheit bricht sich Bahn! In: Tagebuch  7 (1952) H.  9, 26.4.1952, S.  1. Den Beitrag des Beschuldigten selbst: Heinrich Brandweiner: Nur eine Bibliotheksepisode? In: Tagebuch  8 (1953) H.  5, 28.2.1953, S.  1. Und einen Bericht in wissenschaftlicher Diktion: Dr. med. Emanuel Edel: Bakterienkrieg zwischen Antibiotica und Carcinoma. In: Tagebuch  8 (1953) H.  22, 7.11.1953, S.  8. 64 Eva Priester: Korea. Ein Augenzeugenbericht vom modernen Vernichtungskrieg. Hg. v. Bund demokratischer Frauen Oesterreichs. Wien: Globus [1952?], S.  20. [Hervorh. im Orig.] 65 Priester: Korea, S. 22. Wenn Hygiene krank macht … 417
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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