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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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me und Ideologien zurückgeworfen, die sich die Bekämpfung von ‚Schädlingen‘ auf die ideologischen Fahnen geschrieben hatten. Die Revolution der Ratten und Wahnsinnigen Einer der Texte, die den Säuberungswahn selbst als einen krankhaften Zustand ins Bild rücken, ist Ulrich Bechers Zauberposse Die Kleinen und die Großen (1955). Die Figur des Diktators Valdemario Adolar leidet an Verfolgungswahn, der sich nicht nur auf tatsächlich existente politische Gegner wie die Wider- standsbewegung des José Aguirre66 bezieht, sondern auch die Grenzen zu einer metaphorischen Ebene des Feindbildes überschreitet, wenn er von einem „Rat- tenloch“ (KG 350) in seinem Domizil als von einem „Schlupfwinkel subversiver Elemente“ (KG 351) spricht. Die Tiere, die als Haushaltsschädlinge und Krank- heitsüberträger bekämpft werden, fallen in Adolars paranoischem Weltbild in die große Gruppe der Feinde, die seine Weltherrschaftspläne zu hintertreiben versuchen. Seine Frau, „Mama Patria“ genannt, kann seine Rattenphobie nicht verstehen, da sie die metaphorische Bedeutung übersieht, die bei Adolar Asso- ziationsketten wie Ratten – Pest – Chaos – Volksaufstand auslöst.67 MAMA PATRIA: entnervt [...] Hier s-i-n-d keine Ratten. Außerdem. Ratten ver- breiten zwar gewisse Krankheiten – ADOLAR: Sie verbreiten die P-e-s-t. MAMA PATRIA: Nicht mehr heutzutage. ADOLAR: Im Innern Brasiliens verbreiten Ratten noch heute die Pest, Pilar. (KG 348) Tatsächlich taucht aus dem „Rattenloch“ eines der Fabelwesen auf, die sich Hin- ze nennen und die in Bechers Zauberposse in die Weltgeschichte eingreifen. Der Hinz reitet auf einer Ratte und beschwört Adolar, seine Atomkriegspläne fallen zu lassen. Diese Heimsuchung seines Gewissens durch einen Repräsentanten der „subversive[n] Elemente“ (KG 351) wird von ihm selbst und seinen Gleich- gesinnten als Wahnsinn wahrgenommen. Um seine „Nervenkrise“ (KG 366) zu 66 Denselben Nachnamen trägt die Geliebte des Protagonisten von Bechers Roman kurz nach 4, Lola Aguirre, Tochter des Generalkonsuls der spanischen Republik in Wien. 67 Vgl. zur Geschichte der Metapher der Krankheit für die Unordnung im Staatskörper Sontag: Krankheit als Metapher, S.  65–68, und Prinz: Im Körper des Souveräns, S.  86–96. Insbesonde- re die Pest wird laut Michel Foucault im Zusammenhang mit einem „Zusammenbruch der Ordnung“ verbunden. Vgl. Philipp Sarasin: Ausdünstungen, Viren, Resistenzen. Die Spur der Infektion im Werk Michel Foucaults. In: Ders. (Hg.): Fremdkörper. S.  88–108, hier S.  99. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 418 10 Feindbilder – Krankheitsbilder
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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