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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Ressourcen versteht und keine Ethik im Umgang mit ihnen pflegt. Krankheit ist verpönt, da Lebewesen uneingeschränkt funktionieren sollen. Personen, die sich diesen Funktionsmechanismen entziehen, wie etwa Kunstschaffende, die durch ihre ergebnisoffene Produktionsweise immer ein gewisses Risiko für etablierte Diskurse und Regime darstellen, werden unter Beobachtung gehalten und im Fall normwidriger Tätigkeit der „Heilung“, also der Anpassung ans System zuge- führt: „Ein Großteil dieser Menschen hat das Lager hinter sich; Straf-, Sonder-, Arbeitslager. ‚Und noch immer sind sie nicht geheilt‘ – brummt Oberkommissar Wummerer“ (AT 342) anlässlich eines Besuchs des Protagonisten in einem der zahlreichen „Künstlerlager“ (AT 335). Literaturproduzenten werden hier durch Zensur und Zwangsmaßnahmen von Seiten der amtlichen Stelle für „Kulturpro- duktion“, kurz KUPO, auf Konformität getrimmt: Die Autoren erhalten hier Anweisungen zur Umarbeitung und Neufassung, [...] Stücke, die zeitfeindliche Tendenzen verraten, werden sofort vernichtet, der Autor kommt vor eine Prüfungskommission, die die Einweisung in ein Probelager – zur Umschulung geistiger Arbeiter – verfügen kann. ‚Am häufigsten ist die Transfe- rierung in das Introspektorium‘, erklärt uns lächelnd ein jovialer Amtsrat, Ober- inspizient der Gruppe ‚Lyrik‘. ‚In den Köpfen der jungen Leute spukt es immer wieder; da muß man eben rechtzeitig eingreifen und vorbeugen.‘ (AT 336) Diese Vorbeugung besteht in „Schockbehandlung, Elektrotherapie, manchmal wird auch zur Lobotomie und verwandten Eingriffen in das Gehirn geschritten“. (Ebd.)79 Von zwei Vorzeigedichtern, die „durch [diese] Kur gegangen“ (ebd.) sind, starb einer sechs Monate nach der Behandlung, der andere verweigert jede schriftstellerische Tätigkeit. Im Künstlerlager werden „Querulanten [...] Narren“ 79 Die Praktiken der Internierung und der invasiven ‚Behandlung‘, die an den Diskurs des Brain- washing erinnert, werden totalitären Regimen häufig zugeschrieben. So auch in Friedrich Kühnelts Drama Die Optimisten (<  1965). Die Tochter einer Familie, die im Hotel untergebracht wird, das den totalitären Staat allegorisiert, ist glücklich und verliebt, wodurch sie dem Hotel- direktor sofort verdächtig wird: Er ordnet an: „DIREKTOR: Einweisung zwecks Kontrolle des sozialpathologischen Verhaltens! [...] TOCHTER: (springt auf und schreit) Ich bin nicht krank!“ (O 46) Ein anderer Hotelbewohner erzählt: „Seelenfreunde heißen die Psychologen, die dich dort gesundreden. Sie haben auch Elektrisierapparate, an die sie dich so lange anschliessen, bis du ganz glücklich bist.“ (O 15) Auch in Geists Augenzeuge Menschheit (1949) wird von sowje- tischer Seite die Tätigkeit eines Wissenschaftlers unterbunden, die als kriegsschädlich einge- stuft wird. Zu diesem Zweck wird er für ‚krank‘ erklärt: „Vorogow sah sich fallen, sein Werk zusammenstürzen; sie hielten ihn für verrückt! Sie sollten ihm sein Werk, seinen Namen, die Möglichkeit zu weiterer Arbeit rauben?! ‚Kommen Sie‘, wurde energischer gefordert. Er wurde nach einem einfachen Zimmer gebracht und aufgefordert, sich zur Ruhe zu begegben. ‚Das ist nicht mein Zimmer‘, begehrte er auf, ‚wie komme ich dazu?‘ ‚Als Erkrankter‘, sagte der eine nur, und schon flog die Türe zu; sie wurde von außen versperrt.“ (AM 175) Wenn Hygiene krank macht … 425
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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