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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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chung, Dissidenz oder gar Widerstand als Krankheit und legitimieren damit ihre autoritären Maßnahmen als ‚Heilung‘ oder ‚Euthanasie‘. Andererseits zeigen die Texte die Menschen und Natur schädigenden Auswirkungen dieser Praxis auf die Gesellschaft, den einzelnen Menschen und auf die Umwelt, die bis zum völ- ligen Kollaps reichen, der sich in Wenn das der Führer wüßte in einem apoka- lyptischen Atomkrieg manifestiert. In Der achte Tag kommen ebenfalls die krankmachenden Auswirkungen des totalitären Systems deutlich zum Vorschein. Schon auf den ersten Seiten greift der Protagonist zu Medikamenten (vgl. AT 13), der dritte Weltkrieg, so berich- tet er, konnte nur durch eine Droge namens Pentosch, die angeblich aus Men- schenfleisch hergestellt wird, durchgehalten werden (vgl. AT 19–21),81 ein Dozent, der über die Erfolge in einer Menschenzuchtanstalt spricht, erleidet plötzlich einen Anfall und muss mit einer Spritze wieder arbeitsfähig gemacht werden (vgl. AT 250  f.). Als Brown eine Heilanstalt besucht, die zahlreiche gehei- me Christen beherbergt, erfährt er von einem dieser Christen, der zugleich Arzt ist, einiges über die Gründe der vielfältigen Krankheiten in der MG: Es gibt natürlich eine Fülle von Ursachen für so komplexe Erscheinungen, wie die Homopathie- und Geopathie-Erkrankungen [von Heer erfundene psychische Er- krankungen, Anm. d. Verf.] sie darstellen. Soziologische, technische, wirtschaft- liche, politische; die ungemeine Überanstrengung des Menschen unseres Zeital- ters, die ständige Überspannung seiner Nerven, [...] das ängstliche Warten auf den Einsatzbefehl, auf das Kommando, auf die Beförderung – auf die Beförderung zu einem höheren Rang oder Posten – auf die Beförderung in ein Arbeits-, in ein Straflager. (AT 271) Diejenigen, die von den Machthabern als krank und verrückt in ein Sanatorium verbracht wurden, analysieren das krankmachende System. Aus der Perspektive eines Lagerinsassen, der als krank und verderbt weggesperrt wurde, ist die gegen- wärtige Gesellschaft vom „Pesthauch einer kranken, verderbten Welt“ (AT 82) durchzogen. Der (Kalte) Krieg als Krankheit Während Der achte Tag und Wenn das der Führer wüßte totalitäre Gesellschafts- systeme mit dem Bild der Krankheit beschreiben und kritisierbar machen, fokus- sieren einige andere literarische Texte aus Österreich wie Rudolf Geists Roma- 81 Die Beschreibung der Droge bei Heer erinnert ebenfalls an das oben erwähnte Pervitin. Vgl. Proctor: Blitzkrieg gegen den Krebs, S.  179. Wenn Hygiene krank macht … 427
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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