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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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ches Krankheitsmonopol. Sie haben dort diese Krankheit nur zum System gemacht.“ (AM 92) Nachdem der „Augenzeuge Menschheit“ – die Menschheit als Augenzeuge – gegen Ende des Romans zu einer pazifistischen Weltanschau- ung gelangt ist, werden die Gesetze in den Nationalstaaten, die nicht für alle Nationen und politischen Lager bindend sind und nicht von allen befürwortet werden, verworfen. Die Lager selbst werden als krankhafte Gebilde, als Krebs- geschwüre bezeichnet: Was sollte im dritten Weltkrieg der Gedanke bedeuten, daß ein Teil doch Unrecht haben müsse, Ost oder West, wenn währenddem zwei Milliarden Menschen ihr Leben verloren? Was sollten da alle Gesetze der ganzen Welt, diese zuletzt nur noch auf Kommandos der Tötung umgewandelten Gesetze der Lager und ihrer Krebsgeschwülste in aller Welt? (AM 410) Die diskursive Produktion von Feinden wird hier als krankhafte, weiterwuchern- de Praxis darstellt, der nur ein globaler, institutionell abgesicherter und gesetz- lich verankerter Friede entgegenwirken könne. Krankheitsmetaphern, die Feind- bilder generieren, werden so paradoxerweise einerseits verdammt, andererseits angewandt. Auf einer nicht metaphorischen Ebene setzt sich Karl Bruckners Sadako will leben! kritisch mit dem Krieg und seinen Krankheiten auseinander. Die junge, sympathische Protagonistin Sadako, die den Bombenabwurf auf Hiroshima über- lebt, wird von diesem tödlichen Ereignis zehn Jahre später durch den Ausbruch von Leukämie eingeholt. Der Text inszeniert Sadako als ein besonders zu Ein- fühlung, Mitleid und Pazifismus animierendes Kriegsopfer und verfolgt selbst eine pazifistische Praxis, indem keine der beiden Kriegsmächte USA und Japan als alleiniger Kriegsauslöser dargestellt wird. Dies zeigt sich, wenn die kranke Sadako von zwei Ärzten untersucht wird, dem Japaner Ikeda und dem Ameri- kaner Owens. Beide können ihr nicht helfen und leiden selbst unter dieser Hilf- losigkeit. Hinter der Krankheit steht hier kein Feindbild und hinter der Figur des Arztes nicht mehr die des politischen Kämpfers. So meint Ikeda zu seinem amerikanischen Kollegen: „Leiden Sie schon wieder unter dem Gefühl von Schuld? Muß ich Ihnen zum hundertsten Male sagen, wir sind Ärzte, die nur gegen den Tod kämpfen?“ (SWL 172) Der Text stellt bewusst den multinational und kollegial gezeichneten Ärzten keinen national oder politisch definierten Feind gegenüber, sondern ganz gene- rell die von der Atombombe ausgelöste Krankheit und den Tod, ohne bestimm- te Zuordnung zu einer Großmacht oder politischen Kategorie. Es gilt auch kei- nen national oder politisch codierten Körper zu schützen, sondern einen möglichst als allgemeinmenschlich verstehbaren Körper, jenen des jungen Mäd- chens Sadako. Wenn Hygiene krank macht … 429
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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