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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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buch“ zu besitzen, um Klarheit über die Bedeutung solcher Begriffe wie „Volk, Freiheit, Fortschritt, Demokratie, Revolution“ (NZ 5) zu erlangen, erfüllt sich im Verlauf des Textes freilich nicht. Die Zweischneidigkeit des Friedensbegriffes Die Begriffe, auf die Nagy hier rekurriert, waren während des Kalten Krieges heftig umkämpft. Ergänzend könnte man zu seiner Aufzählung noch das Wort „Frieden“ hinzufügen, das von der kommunistischen Propaganda – vor allem mit Beginn des Koreakrieges im Juni 1950 – in Beschlag genommen wurde. Die sowjetische „Friedenspropaganda“ war hierarchisch und ritualisiert: Stalin thron- te als Symbol des „Friedenslagers“ an der Spitze der weltweiten Anhänger des „Friedens“. Über ihn, den „Vater der Völker“, verfassten zahlreiche kommunis- tische Schriftstellerinnen und Schriftsteller oder solche, die mit dieser Ideologie sympathisierten, wie etwa Louis Aragon, Rafael Alberti, Pablo Neruda oder Johannes  R. Becher kleinere oder größere Poeme.12 Es wurden „Stalin-Frie- denspreise“ als sowjetischer Konterpart zu den westlichen Friedensnobelpreisen vergeben. Mit dem „Kongress der Kulturschaffenden zum Schutze des Friedens“ in Wrocław (Breslau) im August 1948 nahm eine Reihe von Konferenzen ihren Ausgang, die exklusiv dem Thema „Frieden“ gewidmet waren. Die Debatten, von sowjetischen Delegierten wie Alexander Fadejew geführt, akzentuierten den „Kontrast zwischen der aggressiv-imperialistischen USA und der UdSSR als Hort von Frieden, Kultur, Demokratie und Freiheit“.13 Das in Wrocław verlesene „Mani- fest des Friedens“ verband die Friedensparolen mit antirassistischen, antiimpe- rialistischen und antiamerikanischen Motiven. Weitere Kongresse folgten in New York (März 1949), Paris und Prag (April 1949) sowie in Berlin (November 1950). Am Weltfriedenskongress in Paris stellte Pablo Picasso seine „Friedenstau- be“ aus, die zum integralen Symbol der „Friedenspropaganda“ avancierte und in antikommunistischen Persiflagen als „La Colombe Qui Fait BOUM“ („Die Taube, die ‚bumm‘ macht“) dargestellt wurde. Auf dem „Ersten österreichischen Friedenskongress“ im Juni 1949 sprach als einer der Hauptredner der kommunistische Politiker und Schriftsteller Ernst Fischer, der die österreichischen Regierungsparteien, den Gewerkschaftsbund und die Kirche einer scharfen Kritik unterzog, weil sie Kampagnen gegen die Friedensbewegung führten und verkündete, dass „allen Gegnern zum Trotz […] wir den Frieden erzwingen“ werden: „Wir haben mitgeholfen, den größten Sieg 12 Vgl. Gerd Koenen: Die großen Gesänge. Lenin, Stalin, Mao Tse-tung. Führerkulte und Hel- denmythen des 20.  Jahrhunderts. Frankfurt/M.: Eichborn 1991, S.  214. 13 Hochgeschwender: Freiheit in der Offensive, S. 211. Sprache und geteilte Welt 435
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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