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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Menschheit. Der Sieger von morgen wird bestimmen, was ‚Freiheit‘, ‚Demokra- tie‘ bedeutet.27 Heer sieht die Ursache des Problems nicht nur bei einzelnen umkämpften Wör- tern, sondern in der Systemkonkurrenz an sich. Seine Ausführungen beginnt er mit dem Hinweis, dass das Wort „heute gleichzeitig entwertet, zur billigsten Münze geworden, und zum Gift, zur gefährlichsten Waffe, die gefährlicher ist als der ABC-Krieg“,28 verkommen wäre. Nach Heer ist der Sieger, der aus einem nächsten Krieg hervortreten wird, nicht nur dazu befähigt, dem Verlierer sein Gesellschaftssystem aufzuerlegen, sondern die Siegermacht würde auch die Defi- nitionsmacht über den Wortschatz erringen. Carl Merz und Helmut Qualtinger haben den Kampf um das Wort „Frieden“ in zahlreichen Texten persifliert, z.B. in der kabarettistischen Agentenkomödie Marx und Moritz, einem west-östlichen Hindernisrennen in einem Startschuß und fünf Teilstrecken,29 an dessen Couplets Hans Weigel mitarbeitete. Das Kaba- rett, das am 29.  März 1958 im „Intimen Theater“ in Wien zur Uraufführung gelangte, macht spezifische „Worthülsen und Politphrasen“30 als solche kennt- lich. So wird etwa der „Friedens“-Begriff mit militärischen Bildern in Verbin- dung gebracht, welche die sowjetische Friedensrhetorik ad absurdum führen. Der Agent „M  –  38“, genannt Moritz, erfährt am Beginn von seinem neuen Auftrag, eine Marx-Büste ausfindig zu machen, die das Vermögen des verstor- benen Geheimagenten Nikolasch enthalten soll. Die Suche nach der geheim- nisvollen Büste führt Moritz nicht nur nach West und Ost, also nach Washing- ton D.  C. und Moskau, sondern auch in neutrale Staaten wie Österreich und die Schweiz. Das Geheimnis um die Marx-Büste, die dem berüchtigten Agenten Nikolasch zum Verhängnis geworden ist, entpuppt sich am Schluss als reine Leerformel; „das grosse [sic!] Geheimnis der internationalen Spionage“ (MM V, 12), welches Nikolasch in Form eines Briefes an seine Kinder hinterließ, besteht nur darin, dass er sich bei einem „unlösbar scheinenden Auftrag“ (ebd.) einfach an einen Agenten der Gegenseite wandte, um Informationen auszutau- schen. Dem Friedenskämpfer Nikolasch / Ist ewiger Frieden / Nun beschieden, / Er ging dahin, er ging dahin, / Genosse Tod erwischte ihn, / [...der] Linientreu tanzende, 27 Friedrich Heer: Gespräch mit dem Feind? Pro. In: Forvm 1 (1954) H. 1, S. 11–16, hier S. 16. 28 Ebd., S. 11. 29 Das Stück, das aufgrund seines Umfangs nicht in die Qualtinger-Werkausgabe von Traugott Krisch- ke aufgenommen wurde, ist nur in einer Theatermanuskriptfassung des Thomas-Sessler-Verlages erhalten geblieben und nicht fortlaufend, sondern bei jedem ‚Bild‘ neu beginnend, paginiert. 30 Vgl. Klaffenböck: Zwischen Agitation und Konformismus, S. 137. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 440 11 Frieden, Freiheit, Propaganda: Rhetorik im Kalten Krieg
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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