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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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/ F.B.I. pflanzende, / Massen aufputschende, / Pünktlich sich hutschende, Völker verbindende, / Erdöl anzündende, / Nikolasch (MM Startschuss, 2) Der Begriff „Frieden“ ist hier nur ein Deckmantel, unter dem der Agent Niko- lasch seine Spionage- und Sabotagetätigkeit im Westen ausübt. Nikolasch wird von Merz und Qualtinger als ein linientreuer Parteiangehöriger beschrieben, der sich als „Kämpfer“ im Dienste des sowjetischen „Friedens“ erweist und dafür mit dem Leben bezahlen muss. Die Leistung des Textes ist es, durch die Parodie die Austauschbarkeit der Worte „Frieden“ und „Krieg“ zu verdeutlichen. Auch in dem kurzen Text Die besten Töpfe der Nation31, der im Wiener Kurier, der Zeitung der amerikanischen Besatzungsmacht in Österreich, erschien, ent- larven Merz und Qualtinger die Friedensrhetorik mit satirischen Mitteln, wobei auch Österreichs Außenpolitik aufs Korn genommen wird. Ein fiktiver Zeitungs- bericht vom Test einer neuen Massenvernichtungswaffe, allerdings keiner Atom- oder Wasserstoffbombe, sondern eines „Stupido-Kochtopf[s]“32, der „sämtliche Errungenschaften der jüngsten Kernphysik zum harmlosen Kinderspielzeug degradiert“ (TN 65), ist der Ausgangspunkt des Textes. Dieses österreichische Produkt wird vor einer Kommission der „internationalen Geheimwaffen-Orga- nisation ‚GraNATO‘“, mit grotesk-verheerenden Resultaten vorgeführt: Auf einem 110 m hohen Stahlturm ist der Kochtopf montiert, darunter, als Initi- alzündung, ein Gasherd, dessen Flamme soeben durch Fernsteuerung eingeschal- tet wird. […] Im nächsten Augenblick aber erheben wir uns bereits vom Boden, wohin uns die Explosion geschleudert hat. Wo eben der Stahlturm stand, erhebt sich ein ungeheurer Rauchpilz, der immer deutlicher die Form eines Steirerhutes annimmt. Er erfüllt die Atmosphäre bis in 10 000 m Höhe mit dem Geruch von angebranntem Kraut und Gulyas – eine Todeswolke, in deren Bereich sich nichts Lebendiges halten kann. […] Ein neues Zeitalter ist angebrochen. Es liegt jetzt in der Hand der Menschheit, die Erde mit Kraut und Gulyas zu überziehen oder ihre Töpfe zu friedlichen Zwecken zu verwenden. (TN 66  f.) Die Pointe des Textes ist, dass er mit der Meldung endet, Russland wolle „zu friedlichen Zwecken […] eine Schnell-Koch-Töpferei“ errichten, deren Töpfe „in der Wirkung noch tausendmal friedlicher sind als die friedlichsten Töpfe der westlichen Welt“ (TN 67). Die Steigerung des Adjektivs „friedlich“ in Bezug auf die groteske Waffe führt die politische Friedensrhetorik in ihrer Substanz- losigkeit und Inhaltsleere deutlich vor. 31 Carl Merz, Helmut Qualtinger: Die besten Töpfe der Nation. In: Dies.: Blattl vor’m Mund. Bd. 1. München: Langen Müller 1959, S.  64–67 [Im Folgenden abgek. mit TN]. 32 „stupido“ = italien. „dumm“. Sprache und geteilte Welt 441
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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